609 2. Vorläufige Mittheiiung zur Systematik der Sminthuridae Tullb., insbesondere des Genus Sminthurus Latr. Von stud. rer. nat. C. Börner. (Aus dem zoologischen Institut zu Marburg.) eingeg. 23. October 1900. Als ich vor nicht langer Zeit meine Studien an Collembolen be- gann, fiel mir bei der Bestimmung meines Sminthuridenmaterials so- gleich auf, daß man die Verwandtschaft der Arten des Genus Smin- thurus Latr. in Folge eines unrichtig gewählten Eintheilungsprincips bisher nicht recht erkannt, auch noch nicht versucht hat, sie wissen- schaftlich zu begründen. Ich machte mich daher an diese Aufgabe, die ich freilich noch lange nicht bewältigen konnte, weil mir einmal noch viele, bereits beschriebene, hauptsächlich exotische Formen fehlen, dann aber gewiß noch manche Arten überhaupt unentdeckt sind, die möglicherweise eine Änderung meines für die deutschen Arten aufgestellten Systems veranlassen könnten. Immerhin dürfte es von Interesse und, wie ich glaube, nicht ohne Werth sein, wenn ich meine diesbezüglichen Resultate schon jetzt der Öffentlichkeit vorlege. Hierzu kommt, daß die Entdeckung des Megalothorax Willem 1 eine Erweiterung der Familiendiagnose der Sminthuridae bedingt, die ich an diesem Orte zugleich vornehmen möchte. Die Begründung einiger, auf Grund eingehender morphologischer Studien gewonnener termini technici, sowie die Beschreibung der mannigfachen Einzelnheiten, die für die Systematik von besonderem Interesse sind, werde ich in einer ausführlichen Arbeit geben, die ich in der »Zeitschrift für wissenschaft- liche Zoologie« zu publicieren gedenke. Hier begnüge ich mich damit, nach der Diagnosticierung der Familie und ihrer beiden Unterfamilien das System der Gattung Sminthurus in Form einer Bestimmungs- tabelle zu entwickeln, welche zugleich den verwandtschaftlichen Be- ziehungen Ausdruck verleihen soll. I. Eintheilnng der Familie. Sminthuridae Tullberg. Körper kugelig, gedrungen, zumeist mehrere Abdominalsegmente, unter einander verschmolzen. Abdomen IV größer als die übrigen 1 Victor Willem, Un type nouveau de Sminthuride : Megalothorax. Annales de la Société Entomologique de Belgique. Tome XLIV, 1900. Die einzige Art M. minimus Willem scheint sehr verbreitet zu sein. Wahr- scheinlich gehören zu ihr auch die von mir bei Bremen, Verden a. d. Aller und Mar- burg gesammelten Exemplare. Nach diesen habe ich auch, mit Zugrundelegung der Beschreibung von V. Willem, meine Diagnose der Gattung, resp. der Subfamilie aufgestellt. 610 Segmente. — 16 Ocellen. Eigentliches Postantennalorgan fehlend. Antennen aus 4 primären Gliedern bestehend. Antenne III an dem distalen Ende mit einer, von 2 Leistchen umgrenzten, kleinen Grube. Antenne IV an der Spitze vielfach mit Sinneskolben. Mundwerkzeuge beißend. Tarsen mit 2 Klauen. Furca an Abdomen IV, 3 — 4theilig. Haut granuliert. Schuppen fehlen. I. Sminthurini subfam. nov. Antennen länger als die Kopfdiagonale, oberhalb der Mitte inseriert, aus 4 primären Gliedern bestehend, von denen das 4. mit- unter secundär gegliedert ist. Prae- und Postantennalgrube fehlend. Ocellen vorhanden oder fehlend. Untere Klaue sämmtlicher Beinpaare in ein Tastorgan umgewandelt. Furca drei- gliederig. Meist sind die dorsalen Theile der Thoracalseg- mente, namentlich bei ausgewachsenen Thieren, verkümmert, wie auch von den Abdominalgliedern I — IV und V, VI unter sich ver- schmolzen. Rücken des Abdomen (? IV) mit oder ohne 2 Papillen. An den Seiten das Abdomen 3 — 4 Setae sensuales. IL Megalothoracini subfam. nov. Antennen kürzer als die Kopfdiagonale, unterhalb der Mitte inseriert, 4gliederig. Prae- und Postantennalgrube vorhanden. Ocellen fehlen. Untere Klaue nicht in ein Tastorgan umgewandelt. Furca 4gliederig. Die 3 Thoracalsegmente stets normal entwickelt; die ursprüngliche Gliederung des Abdomen in 6 Seg- mente noch undeutlich wahrzunehmen, Abdomen IV weit, größer als die übrigen Segmente. Setae sensuales der Sminthurini fehlen. Körper jederseits mit mehreren borstentragenden Warzen; neben je 1 größeren Warze auf Thorax II im Ganzen 4, Thorax III 2 und Abdomen IV 2 Sinnesgruben. I. Sminthurini subfam. nov. 1) Antenne IV stets kleiner als III, conisch zugespitzt, einfach oder secundär gegliedert. Antenne III am distalen Ende mit Fühl- kegeln und -borsten. Rücken des großen Abdominalsegmentes (?IV) mit 2 großen, eine Sinnesborste tragenden Papillen. Außerdem jeder- seits des Abdomen noch 2 Setae sensuales. Abdomen V ohne Sinnes- borste. Tibialorgan fehlend. Dentés mit oder ohne Setae serratae (Krausbauer). Papirius Lubb. 2) Antenne IV mindestens so lang, meist viel länger als Ant. III, einfach oder secundär gegliedert. Antenne III ohne Sinnesorgan. Rücken des Abdomen ohne Papillen. Abdomen major jederseits mit 611 3 2 , minor (V) mit 1, in einer tellerförmigen Vertiefung inserierten Sinnesborste. Tibialorgan vorhanden oder fehlend. Setae serratae feh- lend. Antenne des rf bisweilen in ein Greiforgan umgewandelt. Sminthurus Latr. Leider war es mir nicht möglich, von der Gattung Dicyrtoma Bourl. eine Diagnose aufzustellen, die mit den von Papirius und Smin- thurus gegebenen zu vergleichen wäre. Die vorliegenden Angaben 3 sind in mancher Hinsicht nicht ausreichend. So erwähnt Ab solo n (Prag) von Dicyrtoma pygmaea Wankel nichts über Sinnesborsten, Ab- dominalpapillen etc. Die Angabe, daß die Antenne bei Dicyrtoma 8 gliederig sein soll, ist noch einer Prüfung zu unterziehen. Wahr- scheinlich repräsentieren die Glieder IV — VIII das primäre Glied IV. Falls diese Annahme richtig ist, so muß sich am distalen Ende von Antenne III die in der Familiendiagnose angegebene Grube (erkennt- lich an den beiden Chitinleistchen) vorfinden. IL Übersicht der bisher in Deutschland aufgefundenen Arten des Genus Sminthurus Latr. Sectio vel Subgenus I. Eusminthurus subgen. nov. Tibialorgan fehlend. Antenne IV des q^ (so weit bekannt) morphologisch nicht von der des Q verschieden. A. Antenne IV secundär und distinct gegliedert: Arti- culati. a. Obere Klaue mit Tunica und Pseudonychien oder doch wenigstens mit letzteren. Behaarung besteht aus starken und gewimperten oder mit allerlei Verzierungen ver- sehenen Borsten (Setosi). Untere Klaue des 1. Beinpaares verschieden von der des 2. und 3. Paares. a. Dorsalkanten (resp. -ränder) des Mucro ungleich- artig ausgebildet, dorsale Innenkante gezähnt. Mucro- nalborste fehlt. (Antenne nur wenig länger als die Kopfdiagonale.) 1) Außer dem Plicaldorn 4 am 2. Beinpaar und dem 2 An einer R-eihe von Individuen des Sminthurus viridis (L.) var. cinereo-viridis Tullb. fanden sich am großen Abdominalsegment jederseits nur 2 Setae sensuales. Die Thiere stammten säinmtlich von einem Fundort. An anderen Exemplaren konnte ich je 3 constatieren. 3 Die neuesten sichersten Angaben über das vielfach angezweifelte Genus machte im vergangenen Jahre K. Absolon: Vorläufige Mittheilung über die Gat- tung Dicyrtoma und Heteromurus hirsutus n. sp. aus den mährischen Höhlen. Zoolog. Anzeiger, Bd. XXII. No. 603. p. 493—495. 4 Die genaue Beschreibung der neuen Varietäten wird in meiner Publication 612 Trochanteraldorn am 3. Paar findet sich noch dor- sal über dem Plicaldorn jederseits 1 kegelförmiger, papillenähnlicherDorn. Tunica der unteren Klaue an allen 3 Beinpaaren ohne Innenzahn. Dentés ohne Keulenhaare; Borsten des Körpers zumeist stumpf, wie abgebissen. Grundfarbe schwarzvio- lett, ca. 1 mm. S. Lubbockii Tullb. 2) Nur Plical- und Trochanteraldorn vorhanden. Untere Klaue an den 2 hinteren Beinpaaren mit Innenzahn (derselbe bricht leicht ab). Dentés meist mit Keulenhaaren ; Borsten des Körpers normaler- weise nicht scheinbar abgebissen. Braun bis violett oder blau. 2 mm und mehr. S.fuscus{L.) Tullb. Varietäten: violacea Reuter, maculata Krausb., albiceps nov. var. 5 . Dorsalkanten des Mucro gleichartig. Mucronal- borste vorhanden. (Antenne sehr viel länger als der Kopf.) aa. Dorsalkanten des Mucro gezähnt. 3) Obere Klaue innen mit 1 Zahn, Plical- und Tro- chanteraldorn vorhanden (letzterer nicht mehr so typisch). Tibien ohne Keulenhaare. Grundfarbe rothbraun, ca. 1,5 mm. S. marginatus Schott. 4) Obere Klaue innen ohne Zahn, nur Plicaldorn vor- handen, Tibia mit 1 Keulenhaar. Schwarzbraun, Kopf mehr oder weniger gelblich. 1 mm. S.ßaviceps Tullberg. Varietät : fennica Reuter. ßß. Dorsalkanten des Mucro ungezähnt. Nur Plical- dorn vorhanden. 5) Obere Klaue mit deutlicher, eng anliegender, bei Einwirkung von Kalilauge sich abhebender Tunica. Pseudonychien groß , blattförmig, gefranst. Fiihl- borste 6 der unteren Klaue keulig endigend. Grund- über die Bremer Apterygogenea (Abhdlgn. d. naturwiss. Ver. zu Bremen) erfolgen. Von den beschriebenen Varietäten führe ich nur die bis jetzt in Deutschland nach- gewiesenen an. 5 Der Plicaldorn findet sich auch in der Gattung Papirius Lubb. Mir standen nur P.fuscus (Lucas) Lubb. und P. minutus (0. Fabr.) Tullb. zur Untersuchung zur Verfügung, bei denen er constant zu sein scheint. 6 Die untere Klaue der Sminthurini besteht aus einer einfachen oder geschlitzten, 613 färbe bräunlich , grünlich , gelblich bis weißlich. Bis 2 mm. S. viridis (L.) Lubb. Varietäten: f. principalis Schott, var. cinereo- viridis Tullbg. , nigrornaculata Tullbg., multi- punctata Schfir. Hierher gehört auch wohl & var. ornata Uzel. 6) Obere Klaue (anscheinend) ganz ohne Tunica, Pseudony chien groß wie bei 5. Fühlborste der unteren Klaue nicht keulig endigend. Braungrau, mit schwarzen und weißen Flecken. 3 mm. S. variegatus Tullb. Hierher gehört wahrscheinlich S. multifasciatus Reuter, der bisher in Deutschland nicht auf- gefunden wurde (aus Finnland bekannt). b. Obere Klaue ohne Tunica und ohne Pseudonychien, höchstens an den lateralen Kanten mit einem Zahn. Behaa- rung aus nicht so starken, ungewimperten Haaren oder Borsten bestehend (Pilosi a. p.). Dorsalkanten des Mucro gleich- artig (glatt) 7 . Mucronalborste fehlt. Plical- und Trochanteraldorn fehlen. Tibia mit 2 — 4 Keulenhaaren. a. Untere Klaue des 1. Paares verschieden von denen des2.u. 3. Paares. Gelblich oder bräunlich mit schwarzen oder braungrauen Zeichnungselementen, die sich schließ- lich über einen großen Theil desThieres ausdehnen können. Bis 2 mm. 7) Formenkreis des S. novemlineatus Tullb. An reichem Material vorgenommene Untersuchun- gen führten mich dazu, die folgenden Formen, die bisher z. Th. als Arten aufgefaßt wurden, in einem Formenkreis des Sm. novemlineatus Tullb. zu ver- einigen. Wie ich bei f. principalis mihi und besonders gut bei var. insignis (Reuter) Schott con- haarförmigen oder keulig endigenden am Tarsus gegenüber der oberen Klaue in- serierten Borste, die am Grunde von einer Chitinhülle (Tunica) umgeben ist. Die »Fühlborste« ist identisch mit Schaf fer's » Subapicalanhang «, eine Bezeichnung, welche als nicht zutreffend zurückzuweisen ist. 7 Die Gruppe Eusminthurus A.b. wird noch in der Weise zu erweitern sein, daß man Formen mit gleichartig und Formen mit ungleichartig ausgebildeten dorsalen Mucronalrändern zu unterscheiden hat. Zu letzteren würden Sm. serratus Schäffer und S. uschuaiensis Schäffer zu stellen sein. Vielleicht läßt sich auch die Art und Weise der Gliederung von Antenne IV systematisch verwerthen. Diese Puncte hoffe ich in meiner angekündigten Arbeit klarlegen zu können. 614 statieren konnte, weichen junge Thiere von aus- gewachsenen nicht nur in der Gestalt der Klauen, sondern auch in der Beborstung der Dentés ab. Von manchen Formen, die hier mit einem * be- zeichnet sind, sind mir nun überhaupt nur Indivi- duen bekannt, die den jungen von var. insignis völlig gleich sind. Vielleicht existieren von diesen auch die den ausgewachsenen jener Varietät ent- sprechenden Formen. Andernfalls wäre es auch nicht ausgeschlossen, daß bei den in Frage kom- menden Varietäten sich nur die ersteren Formen entwickelt, resp. erhalten haben, eine Frage, die das Experiment der Züchtung leicht zur Genüge wird beantworten können. Hierher '.f. principalis = (S. novemlineatus Tullb.) var. hilineata (Bourl.) mihi var. insignis (Reuter) Schott [var. pilosicauda (Reuter) Schott] * var. puncteola nov. var. *var. cincia (Tullb.) mihi *var. pallipes (Lubb.) mihi (syn. Sm. speciosus Krausbauer). ß. Untere Klaue an allen 3 Paaren gleich gebildet. 8) Fühlborste der unteren Klaue kaum aus der Tunica herausragend, nicht keulig endigend. Beide Lateral- kanten der oberen Klaue mit 1 Zahn. Gelblich, gelblichgrün bis grünviolett oder schwarzviolett. 1 mm und größer. Formenkreis des S. luteus Lubb. Hierher als Varietät S. pruinosus Tullb. 8 . 9) Fühlborste der unteren Klaue weit aus der Tunica herausragend, keulig am Ende verdickt. Lateral- kanten der oberen Klaue anscheinend ohne Zahn. Grundfarbe dunkelschwarz- violett, mit mehreren hellen Querbinden und Flecken, ca. 1 mm. S. zebrinus Krausbauer (Syn. S. quinquefasciatus Krausbauer). 8 Ebenso wird man hier S. atratus Schäffer nach den vorliegenden Angaben einzureihen haben, doch ist die Beschreibung zur Identifizierung nicht ausreichend. Ich halte atratus vor der Hand für eine Farbenvarietät von S. var. pruinosus (Tullb.) m. Mithin gehörte er zum Formenkreis des S. luteus Lubb. und nicht, wie Schäffer vermuthet, zu pallipes-novemlineatus. 615 Hierher ist auch S. Tullbergi Reuter zu rechnen, der bisher nur aus Finnland (Reuter) bekannt geworden ist. B. Antenne IV nicht secundär gegliedert, einfach: In- articulati. Behaarung ähnlich wie bei A. b. Mucronalborste fehlt. Dorsalkanten des Mucro gleichartig. a. Untere Klaue des 1. Paares verschieden von 2 und 3. (Bisweilen, individuell verschieden, Plicaldorn vorhanden. Tibien zumeist mit Keulenhaaren.) 10) Obere Klaue stets mit 1 deutlichen Innenzahn. [Dorsalkanten des Mucro gezähnt bis ungezähnt.] Grundfarbe weiß bis schwarz, bisweilen mit röth- lichen Körperpartien, ca. 1 mm. Formenkreis des S. niger Lubb. Hierher als Varietät S. igniceps Reuter. Wahrscheinlich gehören hierzu auch S. albifrons Tullb. und S. rex Uzel, die ich zu untersuchen noch keine Gelegenheit hatte ; sie sind beide noch nicht in Deutschland beobachtet worden. 11) Obere Klaue stets ohne Innenzahn. [Dorsalkanten des Mucro gezähnt bis ungezähnt.] Weiß, gelblich bis schwarzviolett. Etwas kleiner als 10). Formenkreis des S. aureus Lubb. Varietäten: alba Krausbauer 9 , f. principalis (Lubb.) Ji.ra.usb., punctata Krb., signata Krb., ornata Krb. ,fusca Krb., atrata nov. var.j Hierher gehört vielleicht auch S. quadriline- atus Tullb., der in den morphologischen Merk- malen — so weit ich bis jetzt feststellen konnte — ganz mit aureus übereinstimmt. Es würde dann zwischen v. signata und ornata zu stehen kommen. b. Untere Klaue des 3. Paares verschieden von 1 und 2. (Tibien ohne Keulenhaare.) 12) Obere Klaue ohne Innenzahn. Grundfarbe blau- schwarz. Bis 0,30 mm. S. pumilis Krausbauer. s Nach der Diagnose und den Zeichnungen von &. albus Schäffer scheint mir auch diese Form zu aureus Luhb. zu gehören und sie würde dann wohl mit var. alba Kraust), zusammenfallen. Das Fehlen der Keulenhaare an den Tibien ist mir kein genügender Grund zur Artberechtigung von S. albus Schäffer, da dieselben — wenn auch selten — bei S. aureus Lubb. fehlen, überdies bei dem einzigen Exemplar, wel- ches Schäffer vorlag, abgebrochen sein können. 616 Sectio vel Subgenus IL Sminthurides subgen. nov. Tibialorgan vorhanden, Antenne IV des q* zu einem Greif organ — ähnlich wie bei vielen Copepoden — umgewandelt. Bei den bis jetzt bekannten Arten ist die untere Klaue des 3. Paares verschieden von 1 und 2. Die obere Klaue am 1. u. 2. Paar schmäler und häufig länger als am 3. Paare. Dorsale Innenkante des Mucro verschieden von der Außenkante ; Innenkante gezähnt. Mucro- nalborste fehlt. A. Antenne IV 10 nicht secundär und distinct gegliedert, meist einfach, nicht selten (secundär) schwach geringelt (scheinbar gegliedert): Inarticulati. a. Mucro ohne breite Lamellen, Fiihlborste der unteren Klaue keulig am Ende verdickt, weit aus der Tunica heraus- ragend. Ant. IV stets einfach. Obere Klaue an den 3 Bein- paaren von annähernd gleicher Länge. Grundfarbe violett. 0,75 mm. 13) S. violaceus Reuter. Varietät: variabilis Krausbauer. b. Mucro mit breiten Lamellen, 2 dorsalen, 1 ventralen, dorsale Innenlamelle gezähnt, mit scheinbaren Rippen; Außen- lamelle mit glattem Rand. [Obere Klaue des 3. Paares weit kleiner als die des 1. u. 2.] a. Fühlborste der unteren Klaue des 3. Beinpaares (wie auch des 1. u. 2.) nicht pinselförmig geschlitzt, einfach. 14) Große Borste des Tibialorgans steif, allmählich zu- gespitzt, nicht über dem Grunde blattförmig ver- breitert. [Lamellen des Mucro durchschnittlich breiter als bei 15).] Grundfarbe gelblich weiß bis violett. Bis 1 mm und mehr. S. aquaticus Bourl. Varietäten: f. principalis Schott, var. viridula Reuter, var. Levanderi Reuter. 15) Große Borste des Tibialorgans über dem Grunde verbreitert, an der Spitze nicht gespalten. Grund- farbe gelb bis violett, ca. 2 / 3 mm. S. elegantulus Reuter 11 . Varietäten : nigrescens nov. var., Malmgrenii Tullb. 10 Zur Eintheilung wurden nur die Antennen der QQ herangezogen, da An- tenne IV des (J, so weit mir bekannt, stets einfach ist, zudem mit den Antennen sämmtlicher übrigen Sminthurus-Arten nicht gut verglichen werden kann. 11 Ich kann mich aus gewissen Gründen der Nomenclatur Schött's nicht an- 617 ß. Fühlborste der unteren Klaue des 3. Paares pinselförmig zerschlitzt (beim Q ; beim rf meist nur einfach gespalten ; am 1. u. 2. Paar stets einfach). Große Borste des Tibial- organs breit, 2 spitzig. Antenne IV häufig schwach gerin- gelt (wie auch bei aquaticus und elegantulus, niemals ge- gliedert!) Grundfarbe gelb bis gelbrothbraun, meist mit schwarzvioletten Zeichnungselementen, ca. 0,75 mm. 16) S. penicillifer Schärfer. Varietät: incompta nov. var. B. Antenne IV secundär und distinct gegliedert: Arti- culati. a. Antenne IV 4gliederig, von denen die 2 mittleren und das proximale und distale unter sich an Länge gleich sind. Mucro mit schmalen Lamellen, dorsale Außenlamelle an der Spitze sich nicht verjüngend, Dorsalrinne an der Spitze offen n . Grundfarbe gelbbraun mit Rückenzeichnung. Bis 0,55 mm. 17) S. signatus Krausbauer. b. Antenne IV 5 gli ed e rig, von denen die 3 mittleren sich an Länge annähernd gleichen, das distale kleiner als das pro- ximale Glied ist. 18) Dorsalrinne des Mucro geöffnet, dorsale Außen- lamelle in einen breiten Zahn ausgezogen. Lamellen sehr schmal. Grundfarbe bräunlich-violett. Etwas kleiner als 17). S. parvulus Krausbauer. 19) Dorsalrinne des Mucro nicht offen, dorsale Außen- lamelle nicht in einen Zahn ausgezogen, ähnlich wie bei aquaticus. Lamellen von der Breite des S. signatus Krb. Gelblich violett, Zeichnung ähnlich wie bei 16). Von der Größe des S. signatus Krb. S. assimilis Krausbauer. schließen, der Malmgrenii zur Art und elegantulus zur Varietät macht. Den Vorrang der in der Litteratur zuerst beschriebenen Form einzuräumen, halte ich nur dann für zutreffend, wenn man keinerlei Anhaltspuncte zur Classification zur Verfügung hat. Ich glaube aber, daß die gelblichen unpigmentierten Formen den pigmentierten stets vorangehen, wie es aus den verschiedensten Gebieten der Entomologie bekannt ge- worden ist. Es ist daher wohl richtiger, elegantulus Rt. als Art u. Malmgrenii Tullb. als Var. zu bezeichnen. 12 Herr Krausbauer (Weilburg) hatte die Güte, mir sein vorzügliches, in diesem Jahre erbeutetes Material von signatus, parvulus und assimilis zur Unter- suchung zu überlassen, wofür ich ihm auch an dieser Stelle meinen aufrichtigsten Dank aussprechen möchte. Dieselbe ergab, daß Unterschiede der 3 Arten nach den Klauenverhältnissen und der Gestalt des Tibialorgans wohl kaum existieren, daß wir aber nach der Gliederung von Antenne IV und dem Bau des Mucro die 3 Arten vorläufig gut aus einander halten können. 45 618 Eine etwas isolierte Stellung nimmt 20) S. caecus Tullberg ein. Derselbe dürfte sich früher von Eusminthurus Ba. abgezweigt haben, worauf die Klauenverhältnisse und die gleichartige Ausbildung der Dorsalkanten des Mucro hinzudeuten scheinen. Doch giebt es Thiere dieser Art, die im Bau der Antenne IV abweichen und eine Ringelung zeigen. Ferner ist characteristisch, daß an Stelle der Ocellen auf der Stirn eine Gruppe von 9 Sinneshaaren ausgebildet ist. Vielleicht wird man seine Verwandtschaft später genauer festlegen können, mög- licherweise ihn sämmtlichen übrigen Sminthurus-Axteu gegenüber- stellen müssen. Marburg a. d. Lahn, 28. Oct. 1900. 3. Petites études morphologiques sur le „limnoplancton". Par R. Minkiewicz, assist, à l'Univers. Kasan. (Avec 3 [18] figs.) eingeg. 29. October 1900. I. Sur quelques formes planctoniennes du genre Difflugia. Dans une note préliminaire que j'ai publiée en 1898, j'ai donné une description courte d'une espèce nouvelle de Difflugia 1 . Main- tenant, les notes de MM. O. Zacharias 2 , Garbini 3 , Awerinzeff 4 , et principalement M. Levander 5 m'invoquent à établir quelques dé- tails, donner des dessins et construer les rapports génétiques de toutes les Difflugia planctoniennes. Difflugia planctonica (mihi), par son habitat et par son adaptation excellente à la vie pélagique, est un vrai organisme planctonien. Elle est commune aux lacs de Bologoië et Glubokoië (gouvernement Now- gorod) en été du mois de mai jusqu'au mois d'août; quelquefois on la trouve encore au septembre et en octobre 6 . Le »maximum« est au mois de juillet (1897 et 1898). 1 R. Minkiéwitsch, Quelques observations sur les Protozoaires, faites à la Station biologique de Bologoë, Travaux d. Soc. d. Naturalistes d. St.-Pétersb. t. XXIX. 1898. »D. planctonica n. sp. « 2 O. Zacharias. Neue Beiträge zur Kenntnis des Süßwasserplankton. For- schungsber. Biolog. Stat. Plön, 1897. T. 5. p. 3—5. Fig. 2, Taf. I. «D. hydrostatica nov. sp.« 3 A. Garbini. Due nuovi Rizopodi limnetici. Zoolog. Anzeig. 1897. No. 576. p. 667 — 668. Fig. 1. » D. cyclotellina nov. sp.« 4 S. Awerinzeff, Zur Kenntnis der Protozoenfauna in der Umgebung von Bologoje(russ). Trav. Soc. Natural. St.-Petersb. T.XXX. 1899. »D. tuberculata Wall.« 5 K. M. Levander, Zur Kenntnis der Fauna u. Flora Finnischer Binnen- seen. Acta Soc. Fauna et Flora Fennica. T. XIX. 1900. No. 2. p. 53—55. Fig. »D. limnetica nov. var. « 6 D'après M.M. Asper und Heuscher (cit. pai M. O. Zacharias) les Dif- flugia (sp. ??) persistent dans le »plancton« jusqu'à 18 Octobre.