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230 lieber eiu noch uieht beachtetes Tastorgan bei Dipteren, iiisbesoiiders bei gewissen Leptiden und Tabaniden. Von Prof. Jos. Mik in Wien. Jedem, der beim Sammeln von Dipteren auf ihre Lebens-gewohnheiten acht gibt, wird das eigentliümliclie Betragen ge-wisser kleiner Empiden, Dolichopoden etc. auf den Blättern der Pflanzen aufgefallen sein. Da sind es namentlich die Tachij-dromia-{Platijpalpus)-Arten, ferner von Dolichopoden die Arten der Gattungen Psilopus, Hijphophi/llH>^j\dm\ Agromyziden, Sciaren, Ps^^choden u. a., welche, während sie auf den Blättern herum-laufen, durch Senkung des Kopfes weilweise den Mund auf die Oberfläche des Blattes andrücken und den Kopf dann wieder bald erheben; es scheint, als würden sie auf den Blättern trinken. Bekanntlich sind viele der genannten Dipteren carnivor. Es ist nicht unmöglich, dass sie durch die vor-erwähnte Bewegung Abfälle von anderen Insecten oder auch vielleicht sehr kleine Milben etc. erbeuten ; es ist aber auch nicht ausgeschlossen, da?s sie die von Aphiden abgegebenen Zuckertröpfclien naschen, oder eine Feuchtigkeit überhaupt auf-saugen, namentlich solche Arten, welche insbesondere Nectar trinken. Ganz auffallend betragen sich die Arten der Gattung Leptis. Auch diese trinken scheinbar von den Blättern mit ähnlicher Koptbewegung, wie die früher genannten Dipteren ; doch geht dieser Bewegung eine andere voraus, und zwar mit den Vorderfüssen. Während die Fliege die vier hinteren Beine zum Sitzen oder zum langsamen Schreiten auf der Oberfläche des Blattes benützt, macht sie mit den beiden Vorderfüssen bogenförmige Bewegungen, als würde sie die Oberseite des Blattes abkehren oder abmähen : sie stützt nämlich die Enden der Vordi'rscliienen auf das l^latt und bewegt den jranzen Tarsus auf der Ol)t rflache des Blaltes in einem Bogen g jfen die LäiitiS-aclise des Thieres zu und wieder zurück. Dabei zittert sie aber auch eigenthümlicli mit den Vorderfüssen. Diese Bewe-gungen werden beim Sitzen oder auch beim Fortschreiten der Fliege wiederholt ; nur weilweise tritt Ruhe ein, wenn die Fliege den Kopf auf das Blatt herabsenkt und den Rüssel auf das-selbe andrückt, wie wir es oben von den anderen Dipteren

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Ueber ein noch nicht beachtetes Tastorgan bei Dipteren, insbesonders bei gewissen Leptiden und Tabaniden

Josef Mik
Wiener Entomologische Zeitung 18: 230-234 (1899)

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