790 4. Über Diplopoden. 5. (25.) Aufsatz. Zur Kenntnis der Gattung Gervaisia (Opisthandria). Von Karl W. Verhoeff, Dresden-Striesen. (Mit 20 Figuren.) eingeg. 6. August 1905. Die zu den merkwürdigsten Diplopodenformen zählende Gattung Gervaisia Waga wurde 1857 bekanntlich zweimal entdeckt und ver-öffentlicht. 1861 wurde eine zAveite Art beschrieben, die sich aber als synonym mit der Grundform G. costata Waga herausstellte, und erst E,. Latzel brachte in seinen Myriapoden der österreichisch-ungarischen Monarchie 1884 drei deutlich unterschiedene Formen und zugleich eine eingehendere Beschreibung, welche bisher auch der einzige vergleichend-morphologische Beitrag zu dieser Gattung geblieben ist. In den letzten beiden Jahrzehnten wurden von mir zwei weitere Formen veröffentlicht, nämlich 1898 die bosnische multiclavigera in den > Diplopoden aus Bos-nien, Herzegowina und Dalmatien, V. Teil«, Archiv für Naturgeschichte, Bd. I, Hft. 2, S. 163 — 165, sowie ferner 1900 von Korfu die eorcyraea im XII. Aufsatz meiner »Beiträge zur Kenntnis paläarktischer Myriapoden, über Diplopoden aus Griechenland«, zoolog. Jahrbücher 13. Bd., 2. Hft. S. 185 — 187. Diese bisher bekannten 5 Formen wurden als Hassen einer einzigen Art aufgefaßt. Meiner Überzeugung, daß die Gattung Gervaisia in systematischer und vergleichend-morphologischer Hinsicht einer Neubearbeitung gleich bedürftig sei, stand einige Jahre die Fülle der anderweitigen Studien-objekte entgegen, welche mir teils meine Studienreisen, teils meine Arbeiten am Berliner zoologischen Museum entgegenbrachten. Die Er-langung weiteren Materials aus den Karpathenländern, namenthch auf meiner Reise 1905, förderte mein Vorhaben. Durch die Gewinnung neuer anatomischer und systematischer Gesichtspunkte wurde die Ver-mutung, daß jene fünf genannten Formen doch nicht im Rahmen einer einzigen Art zu halten seien, entschieden bestätigt. I. Verbreitung. Da ich selbst bisher die zahlreichsten Gervaisien -Funde zu ver-zeichnen gehabt habe, halte ich es für angebracht, Latzeis Angabe »Vaterland Mitteleuropa« zu berichtigen. Im Gebiet des Deutschen Reiches sind nämlich bisher keine Gervaisien beobachtet worden, ob-wohl ihr Vorkommen in einigen Teilen von Preußisch-Schlesien höchst wahrscheinlich ist, zumal ich selbst die typische G. costata unweit Frei-waldau im Altvatergebirge festgestellt habe. Die Gattung Gervaisia ist vielmehr südosteuropäisch bis östlich-mitteleuropäisch, indem sie aus