333 Weiter hat auch Kazzander die Rute des Igels untersucht-, und er kommt zu etwa denselben Resultaten wie die übrigen Bearbeiter. Er nennt aber das spongiöse Gewebe der Pars libera jjenis ein accessorisches Schwellgewebe und vergleicht es damit, was ich bei den Centetiden ge- funden habe. Ob hier wirklich ein accessorisches Schwellorgan vor- handen ist oder, wie ich und andre Verfasser behaupten, ein Corpus spongiosum^ kann ich nicht ohne eine neue Untersuchung feststellen, und leider mangelt es mir jetzt an genügend gut konserviertem Material. Jedenfalls glaube ich nicht, daß diese Bildung homolog mit dem ac- cessorischen Schwellkörper bei den Centetiden ist. 5. Einige neue Hydroiden des Meeres von Ochotsk. Von N. Kudelin. (Kustos am Zool. Museum der Kais, Akademie der Wissenschaften in St. Peters- burg.) eingeg. 8. Juni 1913. Bei der Bearbeitung der Hydroiden der russischen Meere für die »Fauna Rußlands und der angrenzenden Länder« ist es mir gelungen, unter den Hydroiden des Meeres von Ochotsk einige Arten zu finden, die noch nicht beschrieben sind. Ich muß bemerken, daß die Sammlung der Hydroiden des Ochots- kischen Meeres, welche dem Zoologischen Museum der Kaiserl. Akademie der Wiss. gehört, in der letzten Zeit durch Sammlungen von den Herren Derbek, Brashnikow, Soldatow, Arnhold, Starokodomky , Liaskowsky u. a. ganz bedeutend ergänzt worden ist. Ein Verzeichnis der im Ochotskischen und den angrenzenden Meeren aufgefundenen Hydroiden sowie die Zeichnungen und photographischen Abbildungen der von mir hier beschriebenen Arten werden in der »Fauna Rußlands und der angrenzenden Länder« Hydroides vol. II Lief. II er- scheinen. Gegenwärtig will ich mich auf eine kurze Beschreibung der neuen Arten beschränken. Diphasia derbehi n. sp. Dieser Hydroid ist zu Ehren des Entdeckers Dr. Derbek benannt. Von der Hydrorhiza, die sich auf einem Substrat ausbettet und an der Basis des Stammes in eine Platte sich ausbreitet, erhebt sich ein Stamm von 9 cm Höhe, von hellbrauner Farbe, durch Zwischenknoten in eine Reihe von Internodien geteilt. Die Internodien des Stammes, angefangen von dem zweiten, von der Basis aus gerechnet, besitzen - Zur Anatomie des Penis von Erinaceus curupaeus. In: Anat. Anz. lid. 43. Nr. 17/18. 1913. 334 Hydrotlieken in acht regelmäßig gelegenen Längsreilien: die Hydro- theken einer jeden Reihe sind in einer Entfernung voneinander getrennt und zwischen 2 Hydrotheken der beiden benachbarten Reihen gelegen. Dieses gibt dem Stamm den Charakter schachbrettartig gelegener Hydro- theken. Dank dem kann man auch von einer Verteilung der Hydro- theken auf dem Stamm in regelmäßigen Ringen, zu je 4 Hydrotheken in jedem Ringe, reden. Die oberen Internodien des Stammes tragen vier bis sechs solcher Ringe der Hydrotheken, die unteren zwei bis drei und sogar einen. Von besonderen Auswüchsen des Stammes gehen Zweige aus, die sich nicht auszweigen und in einer Ebene liegen, was der Kolonie das Aussehen einer Feder gibt. Die Zweige sind alternierend gelegen, je- doch ist eine Regelmäßigkeit einer solchen Disposition nicht deutlich ausgedrückt, und einige Zweige sind einander gegenüber gelegen. Alle Zweige sind dick: die unteren 2^ o cm lang und werden kürzer, je höher sie gelegen sind. Die Hydrotheken auf den Zweigen sitzen in 8 Längsreihen, wobei die Hydrotheken der benachbarten Reihen in einer ebensolchen regelmäßigen schachbrettartigen Ordnung gelegen sind wie die Hydrotheken des Stammes, und sind daher in Ringen zu je 4 Hydro- theken in jedem Ringe gelegen. Die Anzahl der Ringe der Hydrotheken an den Internodien variiert von elf bis vierzehn. Die Hydrotheken sind flaschenartig geformt, deren adcaulinische Seite durchweg in den Stamm hineingewachsen ist; die abcaulinische Seite ist bogenartig geformt und nach außen herausgebogen. Die Ränder der Offnungen der Hydrotheken sind glatt und rund, die Öffnung ist nach oben gerichtet und wird von einer adcaulinischen Klappe verdeckt. Folglich erfordert die Zooidalstruktur diese Ait dem Genus Dipliasia anzureihen; nach der Anzahl der Ringe der Hydro- theken bildet diese Art einen typischen Repräsentanten des Genus St- ia g i nop s is. Die Gonosome ist unbekannt. Dieser Hydroid ist von Dr. Derbek im nördlichen Teile desOchots- kischen Meeres in einer Tiefe von 100 Faden gefunden worden. Sertularia nasonoiri n. sp. Dieser Hydroid ist von A. Birula schon längst als ein neuer be- zeichnet und figurierte unter verschiedenen Benennungen in seinem »Manuskript«, ist aber nicht beschrieben. Von der fadenartig auf einem Substrat sich ausdehnenden Hydro- rhiza erheben sich in einer Höhe von 6 — 7 cm kleine, ein wenig bogen- artig geformte, 6 — 7 cm lange, farblose Stämmchen mit Zweigen, die in 335 einer Ebene gelegen sind und, von dem Stamme alternierend, von be- sonderen x\uswüchsen des Stammes ausgehen. Der Stamm ist nicht in Internodien geteilt. Auf dem Stamm zwischen zwei alternierend ge- legenen Zweigen befinden sich je 3 Hydrotheken; zwei davon auf der- selben Seite, wo der Zweig ausgeht, und eine auf der entgegengesetzten Seite. Eine der 2, Hydrotheken, die auf der Seite des Zweiges gelegen sind, sitzt in der Höhle des Zweiges. Am unteren Ende der Hydrotheke bildet der Stamm einen Vor- sprung von der Art einer Flasche — die Basis — , an welche die Hydro- theke befestigt ist. Die Zweige teilen sich in einiger Entfernung vom Stamme dicho- tomisch, wobei diese beiden Zweige 2. Ordnung in einem rechten Winkel zum Zweige 1. Ordnung und in einem rechten Winkel zur Ebene des Stammes sitzen. Die Hydrotheken auf den Zweigen sind paarweise geordnet, einer dem andern gegenüber oder fast einander gegenüber. Die Zweige sind durch Zwischenknoten in Internodien geteilt, welche 2 — 4 Paar Hydro- theken tragen. Die Hydrotheken sitzen auf besonderen Erweiterungen des Stammes, welche eine Art Basis bilden. Der Stamm ist in 10 bis 14 Internodien geteilt. Die Hydrotheken sind an deren Basis erweitert und zum distalen Ende hin ein wenig enger. Das distale Ende derselben ist frei und nach außen, vom Stamm ab, gebogen, weshalb die abcaulinische Seite gebogen ist. Der Rand weist zwei lange, scharfe Zähne auf. Die Gonotheken sind abgerundet und sitzen an den oberen Seiten der Zweige. Das distale Ende derselben ist mit einer runden Öffnung versehen. Sert nla n'a tatarlca n. sp. Der von mir hier beschriebene Hydroid ist von Dr. Derbek in der Tatarischen Meerenge, auf einer Tiefe von 37 Faden, gefunden worden. Die äußere Beschaffenheit der Hydrotheken und deren Verteilung auf den Zweigen ist dieselbe wie beim Sertularia mirabilis Verrill. Sertidaria tatarica unterscheidet sich von dieser Species dadurch, daß die Zweige vom Stamm spiralförmig ausgehen, aber nicht streng alternierend, wie beim S. mirabilis Verrill. Ein jeder Zweig ist dichotomisch geteilt; die Zweige sind lang, und erinnert die Kolonie im allgemeinen an das Ansehen von Thuiaria thuja. Der dichotomischen Verteilung der Zweige begegnet man auch bei dem gewöhnlichen S. inirabilis Vcrrill des Meeres von Barenz, diese dichotomische Verteilung der Zweige aber erscheint zusammen mit der 336 gewöhnlichen und ist in einer Ebene gelegen; bei dem hier beschriebenen S. iatarica n. sp. sind die Zweige spiralenartig verteilt. Zwei andre Exemplare von 5. tatarica n. sp. sind kleiner; die oberen Zweige sind bei denselben alle verteilt und streng spiralenartig ge- ordnet; die unteren aber sind alternierend in einer Ebene gelegen. Alle Zweige tragen 6 Reihen Hydrotheken, außer einem, der 7 Reihen der Hydrotheken aufweist. Ich muß bemerken, daß S. mirabilis Verrill sehr stark variiert, so- wohl in der Form der Verzweigung, als auch in der Anzahl der Hydro- thekenreihen. Es ist durchaus keine seltene Erscheinung, daß bei S. miraljiiis V. Zweige mit 4 Reihen Hydrotheken vorkommen, -worauf zum ersten Male Dr. Hjalmar Broch aufmerksam gemacht hat. Unter der großen Anzahl von Serhäaria viimbilis Verrill mit ty- pisch-alternierender Verteilung der Zweige in einer Ebene, welche dem Zoologischen Museum der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften ge- hören, kommen Exemplare vor mit 7 und sogar 8 Reihen Hydrotheken zwischen den Zweigen, zusammen mit der gewöhnlichen sechsreihigen Disposition der Hydrotheken. Von dem starken Variationsvermögen von S. v/iralilis Verrill aus- gehend, wird wohl diese von mir beschriebene Art dem letzteren nahe verwandt sein und möglicherweise von letzterem abstammen; sie unter- scheidet sich von diesem nur auffallend durch die Form der spirahgen Verzweigung. II. Mitteilungen aus Museen, Instituten usw. Zoulogische Station Rovigno (Istrien). An der Zoologischen Station Rovigno ^Istrien) ist am 1. April d. J. eine Assistentenstelle geschaffen worden, mit deren Verwaltung am 1. Juni der Chemiker und Physiologe Herr Dr. Willi Kraft aus München betraut worden ist. III. Personal-Notizen. Berlin. An der Universität habilitierte sich Dr. Hermauu Schubotz für Zoologie. Nekrolog. In Prag starb am 3. Juli Dr. Robert von Leudeufeld, Professor der Zoologie an der Deutschen Universität und zurzeit deren Rektor, im Alter von 56 Jahren. Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig.