Neue Lepidopteren des südamerikanischen Faunengebiets. Beschrieben von Dr. 0. Staudinger, in Blasewitz bei Dresden. (Vorgelegt in der Jahressitznng vom 7. April 1875). Das südamerikanische oder neotropische Pannengebiet ist hinsichtlich der Lepidopteren nicht nur das bei Weitem reichste, sondern es zeigt auch die eigentümlichsten Formen derselben, d. h. es steht im Vergleich zu den andern Faunengebieten der Erde am isolirtesten da. Das Gebiet umfasst ausser dem eigentlichen Südamerika auch Central-Amerika, die westindischen Inseln und Süd-Mexiko. Nord-Mexiko ist ein Uebergangs gebiet zum nordamerikanischen (nearktischen) Faunengebiet. Fast möchte ich aber glauben, dass ursprünglich (d. h. vielleicht vor Millionen von Jahren) das südamerikanische Gebiet auch räumlich völlig vom nordamerikanischen getrennt war, während letzteres da-mals höchst wahrscheinlich mit dem europäischen, oder richtiger dem palä-arktischen Gebiet (den nördlichen Theil der östlichen Erdhalbkugel umfassend) in engem räumlichem Zusammenhange stand. Erst als durch gewaltige Erd-revolutionen, vielleicht der Erhebung der mächtigen Andes-(Vulcan) Kette, Südamerika mit Nordamerika vereint wurde (zu welcher Zeit auch letzteres durch weite Meere von Europa und Asien getrennt worden sein mag), konnten sich die Arten der beiden Gebiete vermischen, und solche, deren Lebensweise dies erlaubte, tief in das andere eindringen. So findet sich die nordamerika-nische und europäische Art, Vanessa Antiopa, in Guatemala vor, einem sonst rein südamerikanischen Gebiet. Die mir speciell noch viel zu wenig bekannte Lepidopterenfauna von Chile scheint merkwürdigerweise ihrer Mehrheit nach gar nicht zum eigentlichen südamerikanischen Faunengebiet zu gehören, son-dern gewissermassen eine Enclave des ne-oder gar paläarktischen Gebiets zu sein. Die sehr hohe Lage des grössten Theils von Chile, so wie der Umstand, dass es nicht mehr in die Tropenzone hineinreicht, mag wohl mit die Ursache dieser so verschiedenen Fauna sein. Während das Flächenareal des südamerikanischen Faunengebiets höch-stens den siebenten Theil des Areals aller anderen Faunengebiete der Erde ein-nimmt, sind uns von demselben schon weit mehr Rhopaloceren (Tagfalter) bekannt, als von allen andern Gebieten zusammen. Nach Kirby's Aufstellung Z. B. Ges. B. XXV. Al)h. 12