218 des inneren interradialen Muskels reichende Zweige ab. Sowohl der Hauptstamm dieses Nervenastes, als auch seine bogenförmigen Ab- zweigungen verbinden sich mit den gleichnamigen des benachbarten Kadius. Auf diese Weise entstehen eine Anzahl gleich orientirter über einander liegender, bis an den inneren interradialen Muskel reichender nervöser Bogen. An der oralen Seite des inneren interradialen Muskels verschmelzen die daselbst aufwärts steigenden Nervenäste benachbarter Radien zu einem Nervenstamm. Dieser Nervenstamm steht durch den inneren interradialen Muskel mit den an die aborale Seite des Muskels angrenzenden Nervenbogen in Verbindung. 3) Ein Nervenast, welcher von der Mitte des interradialen Theiles des nervösen Ringes schief nach abwärts und oralwärts geht, sich gabelt und dessen Gabeläste mit den bogenförmigen Nervenbahnen in Verbindung treten. Von dem mittleren und dorsalen Nervenring gehen als ge- meinschaftliche Wurzel unmittelbar an die radiale Seite des Haupt- stammes des 2. Nerven des ventralen Hinges angrenzend, zwei dicht an einander gedrängte, zum Theil verschmolzene Nervenäste ab. Diese Nerven verlaufen an der adoralen Seite des äußeren interradialen Muskels und scheinen für dessen Innervation bestimmt zu sein. Vom dorsalen Nerven ring entspringen einige dorsalwärts gerichtete Zweige, welche zur Innervation des Wassergefäßringes und der Polischen Blasen bestimmt zu sein scheinen. Endlich gehen in regelmäßigen Abständen aus dem »Mundring« starke Nervenstränge in die Lippen. Diese Stränge erscheinen an ihrem Ursprung als Fortsetzungen von allen drei den »Mundring« zu- sammensetzenden Systemen, nur der Antheil des ventralen Ringes aber läßt sich in scharf ausgeprägten Faserbündeln bis unter das Lippenepithel verfolgen. Auf Frontalschnitten erhält man am Fuß des Lippenepithels in gleichen Abständen die runden Querschnitte dieser Nerven. Nach einem subepithelialen Plexus des Darmes, wie ich einen solchen für die Crinoideen" und Asteriden^ nachgewiesen, habe ich bei Ophiuren bis jetzt vergeblich gesucht. 2. Weiteres zur Kenntnis der Chermes-Arten. Von N. Cholodkov sky in St. Petersburg. eingeg. 11. März 1889. In No. 299 des Zool. Anz., wo mein Artikel: »Noch Einiges zur Biologie der Gattung Chermes^ erschienen ist, fand ich merkwürdiger- ■7 u. 8 Vgl. No. 170 u. 282 dieser Zeitsehr. 219 weise einen sehr interessanten , demselben Gegenstande gewidmeten Aufsatz von Herrn Dreyfns. Nachdem die Herren Dreyfus und Blochmann so gefällig Avaren, daß sie mir auch die Separata ihrer in der 61. Deutschen Naturforscher-Versammlung ^ und im Naturhist.- Med. Verein zu Heidelberg gemachten Mittheilungen zusendeten 2, war ich in den Stand gesetzt, die von ihnen gewonnenen Resultate mit den meinigen zu vergleichen. Die Zusammenstellung aller bis jetzt bekannt gewordenen Thatsachen mit den noch unpublicirten, weil unvollstän- digen Notizen meines Tagebuches, hat mich zu einigen Schlüssen und Hypothesen geführt, welche ich in der vorliegenden Mittheilung dar- legen will. An erster Stelle glaube ich einige kleine Mißverständnisse in den schönen Arbeiten von Blochmann und Dreyfus berichtigen zu müssen. Herr Prof. Blochmann glaubt nämlich, daß die von ihm entdeckten gelben Geschlechtsthiere zum Entwicklungskreise von Chermes strohilohius Kalt, gehören , wobei er diese Annahme, wie es scheint, hauptsächlich auf das Erscheinen der gelben Weibchen und Männchen bald nach der geschehenen Eiablage der Strobilohius- Geflügelten begründet. Ich aber kann Herrn Dreyfus nur beistimmen, wenn er beweist, daß die jungen gelben Individuen aus fast nackten gelben Eiern entstehen, während die Strobilobius-Eier bräunlich und mit Wolle reichlich bedeckt sind, daß weiter die Geschlechtsthiere von Strohilobnis etwas später erscheinen müßten, als es lUochmann für seine gelben Männchen und Weibchen beschreibt. Andererseits befin- det sich aber auch Dreyfus im Irrthum, wenn er für die gelben auf der Fichte eierlegenden Sexuparen-* den Ratzeburg'schen Namen ììObtectusif. in Anspruch nimmt, da Ratzeburg ja ausdrücklich sagt, daß die geflügelten Obtectus-Vf eibchen »denen von Ch. coccineus sehr ähnlich sehen«, also keineswegs gelb, sondern roth braun sein müssen. Schon aus dem Gesagten läßt es sich vermuthen, daß die von Blochmann beschriebenen gelben Männchen und Weib- chen nicht zum Entwicklungscyclus von Chermes strobi- lobius, sondern zu dem des Ch. viridis Ratz, gehören, daß aber die von mir entdeckten schwarzen Geschlechtsthiere die von Ch. strobilobius sind. Die Rat zebu rg'schen i)Obtectusn sind also die geflügelten Individuen von Chermes strobilobius, welche aber nicht aus den Gallen hervorkommen, sondern, höchst wahrschein- lich; im Frühlinge von irgend welcher Pflanze, wo die zu ihnen füh- 1 Sitzung d. zool. Section am 19. Sept. 1888. 2 Gesammtsitzung am 2. Nov. 1888. 3 Vgl. d. Zeitschr. 1889. No. 300. p. 92. 220 rende Generation überwinterte, auf die Fichte emigriren, um hier ihre zu den schwarzen Männchen und Weibchen führenden Eier abzulegen. Wenn man alle von H lochmann, t)reyfus und mir gemachten Beobachtungen zusammenstellt, so erhält diese Vermuthung fast den Werth einer festgestellten Thatsache. Erstens waren die von mir be- obachteten rothbraunen Geflügelten vom 13. Juni von denen des Ch. strohilohius gar nicht zu unterscheiden ; zweitens erzeugen die von ihnen stammenden schwarzen Männchen und Weibchen befruchtete Eier, aus welchen flügellose Individuen kommen, welche nicht am Knospenhalse, sondern aufder Knospe selbst überwintern, gerade so, wie es Dreyfus für Ch. strohilohius angiebt : drittens lassen die Untersuchungen von Dreyfus schwerlich einen Zweifel bestehen, daß die gelben Geschlechtsthiere an der Fichte von den von der Lärche emigrirenden l^w'eV//*- Geflügelten herrühren. Dem zufolge halte ich fast für bewiesen, daß die in meiner vorigen Notiz beschriebenen und abgebildeten schMarzen Geschlechtsthiere zum Entwicklungskreise von Chermes strohilohius gehören. In dieser Notiz habe ich bloß vermuthungsweise ausgesprochen, daß auch bei Chermes die von Kessler und Lichtenstein für andere Aphiden beschriebene Migration stattfindet. Seitdem aber Blochmann und Dreyfus in der That eine Wanderung von Ch. viridis auf die Lärche festgestellt haben, erhält auch die von mir constatirte Thatsache der Eiablage von Ch. viridis und coccineus an Cedernnadeln eine bestimm- tere Bedeutung^. Es ist sehr leicht möglich, daß wir es hier mit einer wirklichen Migration zu thun haben. Wahrscheinlich kommen aus den von Cliermes viridis und coccineus an Cedernnadeln abgelegten Eiern parthenogenetische Weibchen, welche aufder Cedernrinde über- wintern und, indem sie im Frühlinge weiter wachsen und Eier ab- legen, diejenige lange weiße Wolle erzeugen, mit Avelcher die Rinde von Pinus cembra im Frühlinge so dicht bedeckt wird. Von diesem Gesichtspuncte aus wird auch Dasjenige mehr begreiflich, was ich im Sommer 18S8 in Betrefl" der Ceàem- Chermes beobachtet habe. Die an der Rinde sitzenden und mit Wolle bedeckten gelblichen oder bräun- lichen parthenogenetischen Weibchen legen sehr zahlreiche gelbe Eier ab, aus welchen die zu den rothbraunen Geflügelten führende Gene- ration entsteht. Diese geflügelten (^eà.&x\\-Chermes erscheinen bei uns Ende Mai oder Anfang Juni, also kurz vor dem Erscheinen der rotli- braunen Fliegen auf der Fichte [Ch. obtectus Ratz.). Die einen von * Hier muß ich noch hinzufügen, daß die Ch. viridis und coccineus auch auf die Weymouthskiefer wanderten und daß die emigrirenden FtVtrfts- Individuen etwas kleiner und dunkler waren, als diejenigen , welche auf den Fichtennadeln saßen und dort ihre Eier ablegten. 221 den an den Cedeninadeln sitzenden Geflügelten legen hier ihre Eier ab, die andern aber scheinen wegzufliegen, wenigstens wollten viele der von mir im Zimmer gezüchteten Fliegen ihre Eier nicht ablegen, sondern setzten sich auf das die Cedernzweige umgebende Netz oder fielen herab und starben. Dieses Ereignis ist dem von B lochmann bei seinen Zuchtversuchen von Ch. coccineus beobachteten ganz ana- log. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß ein Theil der rothbraunen Geflügelten von den Cedern auf die Fichten wandert, wo sie als Ch. ohtectus ihre zur Geschlechtsgene- ration führenden Eier ablegen. Im nächsten Frühlinge werde ich diese Voraussetzung experimentell prüfen. Aus den an Cedernnadeln von den Geflügelten abgelegten Eiern kommen kleine gelbbräunliche Individuen, welche auf den Nadeln zu saugen beginnen. Über sie schrieb ich im Januar 1888 : »Diese Thier- chen hielt ich anfangs für junge parthenogenetische Weibchen, welche, so lange sie noch klein sind, auf den Nadeln leben, später aber, mit der Erreichung ihrer vollkommenen Größe, auf die Rinde übergehen sollten. Seitdem ich die Arbeit von Dr. Blochmann gelesen habe, bin ich aber mehr geneigt, in den fraglichen Thierchen die geschlecht- liche Generation der QeAexji-Chermes zu sehend«. Obgleich ich aber den ganzen Sommer 1888 die Cediem- Chermes sehr sorgfältig studirt habe, gelang es mir nicht unter ihnen echte Männchen und Weibchen nachzuweisen. Die jungen an den Nadeln und an der Rinde schma- rotzenden Läuse zeigten zwar einige Formunterschiede : die einen waren z. B. etwas schlanker und beweglicher, die anderen plumper, mit kürzeren Fühlern und sehr träge ; sie besaßen aber alle dreigliederige Fühler. Die anatomische Untersuchung der kleinsten Läuse hat zu keinem bestimmten Resultate über ihr Geschlecht geführt, weil ihre Geschlechtsorgane noch unentwickelt waren, die größeren aber er- wiesen sich alle zum weiblichen Geschlechte gehörig. So wurde ich durch meine Untersuchung wieder zu meinem ehemaligen Schlüsse geführt, daß aus den von den Geflügelten abgelegten Eiern sich eine parthenogenetische Generation entwickelt, deren Individuen, so lange sie noch klein sind, auf den Nadeln leben, später aber auf der Rinde schmarotzen. Den ganzen Sommer hindurch bis spät im Herbste konnte ich auch an der Cedernrinde gelbliche und bräunliche par- thenogenetische Weibchen verschiedener Größe und die von ihnen abgelegten Eier finden. Hier muß ich bemerken, daß ich endlich auch auf unseren Wey- mouthskiefern eben solche Chermes, wie auf Pinus cembra, gefunden 5 Vgl. d. Zeitschr. 1888. No. 270. p. 46. 222 habe. Die wolletragenden parthenogenetischen Weibchen leben aber ausschließhch an der Rinde der älteren und kränklichen Bäume, während die jungen Weymouthskiefern davon ganz frei sind. Die Geflügelten setzen sich zwar auch auf die Nadeln der jungen Pinus strobus, niemals aber entwickelt sich an der Rinde der jungen Bäume der lange weiße Flaum, welcher die Cedern und die alten Weymouths- kiefern schimmelartig bedeckt. Jedenfalls ist der muthmaß- liche r>Cher7nes cemhraev^ mit dem llartig' sehen Chermes sir obi ohne Zweifel identisch. Aller Wahrscheinlichkeit nach gehört auch Chermes pini \i\eTh.er , welcher sich bloß durch hellere rothe Farbe der Geflügelten von Ch. strobi und Ch. strobilobius unter- scheidet. Ich glaube , daß solche kleine Farbenunterschiede von der Verschiedenheit der Nahrung abhängen können. Sind die eben dargelegten Voraussetzungen richtig, so sind viele Chermes-Foxmen, welche bis jetzt für besondere Arten galten, nämlich Chermes strobilobius, obtectus , strobi, wahrscheinlich auch Ch. pini, als verschiedene Generationen einer und derselben Art anzusehen. Man wird aber vielleicht auch weiter gehen müssen. In meiner vorigen Notiz habe ich gezeigt, daß aus den typischen Cocci- wews-Gallen FrnV/Zs-Individuen hervorgehen können, so daß es nicht unwahrscheinlich wird, daß die beiden Formen von Fichten- Chermes zu einem und demselben Entwicklungscyclus gehören. Die Nach- kommen von diesen Coccifieus-J^iridis, wie ich sie in meinem Tagebuche genannt habe, unterscheiden sich in keiner Weise von den typischen, unzweifelhaften Viridis und überwintern, ebenso wie die letzteren, am Knospenhalse. Es ist also sehr leicht möglich, daß die letzte Sommergeneration von Ch. coccineus in Ch. viridis übergeht. Ist dies richtig, so sind also Ch. vii'idis, coccitieus, lai'icis, obtectus, strobi, pini, nur verschiedene Formen einer einzigen Art, welche also in einzelnen Generationen auf der Fichte, auf verschiedenen Pinus- Arten und auf der Lärche lebt. Ein am meisten passender Name für diese Chermes-Art wäre wohl Chermes coniferarum. Was den Weißtannen- Chermes, welchen ich vermeintlich y>Chermes pectinataev^ genannt habe, anbelangt, so ist er höchst wahrscheinlich mit dem D r ey f u s'schen »OÄ. funitectus« identisch. Leider habe ich den Namen nicht ganz passend gewählt, da diese Cherrnes-Ait eigent- lich nicht auf Abies pedinata, sondern auf Abies sibirica und A. bal- samea lel)t. Abies pcctinata wächst fast gar nicht bei St. Petersburg, da sie unser strenges Clima fast gar nicht ertragen kann. Herr Drey- fus schreibt mir, daß die Eier seines Ch. funitectus nicht überwintern; dieser scheinbare Unterschied zwischen funitectus und pectinatae erklärt sich off"enbar durch die Verscliiedenheit des Clima. Unser früh- 223 zeitiger und kalter Winter trifft die Eier früher, als aus denselben junge Läuse ausschlüpfen. So waren z. B. anfangs October 1888 die Weißtannenzweige schon von Schnee und Eis bedeckt. Übrigens über- zeugte ich mich seit 1887, daß bei Weitem nicht alle Eier der Herbst- generation von Ch. pectinatae überwintern, daß dagegen neben den Wintereiern sehr oft auch überwinternde junge Läuse zu finden sind. Jedenfalls sind aber die überwinternden Eier nicht befruchtet, was ich früher irrthümlich vermuthete. Überhaupt habe ich auf der Weiß- tanne keine geschlechtliche Generation finden können. Das, die Wintereier (oder Herbsteier) legende parthenogenetische Weibchen ist von sehr eigenthümlicher Gestalt, nämlich sehr plump, dunkelbraun, mit sehr kurzen Fühlern und Beinen und mit characteristisch zackigen Seitenrändern des Körpers. Einige der von mir beobachteten Ent- wicklungsstadien von Ch. pectinatae zeigten viel Ähnlichkeit mit Cher- mes hamadryas, welchen ich an den Lärchen unseres Parkes gefunden habe, so daß es durchaus nicht unwahrscheinlich ist, daß diese beiden »Arten« zusammengehörig sind und daß Ch. hamadryas von der Weiß- tanne auf die Lärche wandert. Im nächsten Sommer werde ich in dieser Richtung Versuche anstellen. Andererseits sind die geflügelten Ch. pectinatae von Ch. strobiunà. Ch. coccmew« kaum zu unterscheiden, so daß auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß überhaupt alle Chermes-ForTû.en zu einer und derselben Art, Chermes coni- ferarum^ gehören. Das ist zwar bloß eine kühne Hypothese, deren Werth jedoch nur durch die im nächsten Sommer vorzunehmenden Experimente bestimmt werden kann. St. Petersburg, den 23. Febr./7. März 1S89. 3. Nachtrag zur Mittheilung über ;,Chermes" in No. 299 d. Zeitschr. Von L. Dreyfus, Wiesbaden. eingeg. 11. April 1889. Meine obige Mittheilung möchte ich noch dahin ergänzen , daß sich bei meinen diesjährigen Züchtungen unter den Nachkommen des unter der Rinde der Lärche überwinterten Chermes neben den glatten schwefelgelben und grünlichen Thierchen auch eine Menge goldgelber Jugendformen fanden, welche deutlich die für fAhie- tis(( characteristisch en vierporigen Drüsen zeigen. Da ich dieselben weiterzüchte, so hoffe ich bei Veröff'entlichung des zweiten Theiles meiner Arbeit über »Phy lloxerinen« die Er- klärung derselben bringen zu können. Ich halte es aber für angezeigt, schon jetzt darauf aufmerksam zu machen, damit das weitere Schicksal dieser Thiere auch von anderen Forschern verfolgt werden kann.