480 4. Beitrag zur Kenntnis der Spongienfauna des Malaiischen Archipels und der Chinesischen Meere. Von Nils Gustaf Lindgren, Upsala. eingeg. 16. November 1897. In den letzten Jahren habe ich eine Anzahl Spongien untersucht, die zu den Abtheilungen der Monaxoniden und Tetraetinelliden gehören. Diese Spongien stammen theils aus den Chinesischen Meeren und gehören dem Zoologischen Museum der Universität Upsala an, theils aus Java und gehören der Königl. Académie der Wissenschaften in Stockholm an. Ich gebe im Folgenden ein Verzeichnis dieser Spon- gien nebst einer kurzen Diagnose der neuen Arten. Die technischen Termini sind dem Challenger Report entlehnt. Vollständige Be- schreibungen nebst Abbildungen werden im Frühjahr 1898 in den Zoologischen Jahrbüchern erscheinen. I. Monaxonida. HalicJiondria Fleming. Halichondria variabilis n. sp. Spongie lobiert, faserig. Farbe grau. Oberfläche granuliert. Spicula: Oxea 720X16 /<. Unregelmäßig gebogen, langsam zugespitzt. Theils ohne Ordnung zerstreut, theils in kleineren, gut begrenzten Fasern. Chinesische Meere, Java. Ilalicliondria armata n. sp. Spongie massig mit kleinen Auswüchsen, faserig und fest, braun. Spicula: Oxea 1700X48 [x. Unregelmäßig gebogen, langsam zugespitzt. Ohne Ordnung zerstreut. Chin. Meere. HalicJiondria aura n. sp. Spongie massig, sehr fest. Farbe weißgelb, Oberfläche glatt. Spicula: Oxea 600X20 \i, gleichdick, etwas unregelmäßig gebogen, erst nahe an den Enden sich verjüngend. Ohne Ordnung zerstreut. Java. Petrosia Vosmaer. Petrosia nigricans n. sp. Spongie massig mit niedrigen Graten, steinhart, schwarzbraun, Oberfläche glatt. Spicula: Oxea 280X20 [x. Gleichförmig gebogen, plötzlich zugespitzt. In dicken gut begrenzten Fasern gesammelt. Java. Petrosia elastica (Keller). Java. 481 Reniera Nardo. Reniera madrepora Dendy. Java. Reniera scyphanoides (Lamarck). (Jhiu. Meere. Reniera aquaeductus O. Schmidt var. infundibular is Ridley und Dendy. Java. Pachyrhaiina 0. Schmidt. PacJnjcJiulina fragilis Ridley und Dendy. Java. Pachychalina melior Ridley und Dendy var. iubulifera n. var. Spongie niederliegend, mit tiefen an der Spitze von hohen Erhö- hungen gelegenen Oscula. Chin. Meere. o o o Pachychalina ßhr osa Ridley und Dendy. Chin. Meere, Java. Pachychalina megalorrhapis Ridley und Dendy. Chin. Meere. Chalina Grant. Chalina subarmigera (Ridley). Chin. Meere. Chalina pidmnatae n. sp. Spongie ovale polsterähnliche Erhöhung. Fläche feingrubig, Farbe grau — schwärzlich. Foren die Dermalmembran zu einem Netzwerk reduzierend. Spicula: Oxea lOSXß«, gleichbreit, gebogen. Skelet ein rechteckiges Netz von Sponginfasern mit Oxea in der Mitte. Java. Siphonochalina O. Schmidt. Siphonochalina trwncata n. sp. Einfache oder verzweigte Röhren mit je 1 Osculum in den Spitzen der Äste. Weich und elastisch. Grau. Spicula: Strongyla gleichbreit und etwas gebogen, 2 Größen: 96X4 jj-, in den Fasern; 104X7, zer- streut. Skelet ein rechteckiges Fasernnetz mit Spicula in der Mitte der Fasern. Chin. Meere. Rhizochalina O. Schmidt. Rhizochalina singaporensis (Carter). Chin. Meere. Gellius Gray. Gellius strongylatus n. sp. Spongie massig, Consistenz faserig und sehr weich. Farbe hell- grau. Spicula: 1) Strongyla 160X8 [j. gleichdick, schwach gebogen. 2) Sigraata 16 |j-. Strongyla und Sandkörnchen bilden Fasern ohne sichtbares Spongin. Chin. Meere. Tedania Gray. Tedania digitata O. Schmidt. Chin. Meere. 482 Jotrochota ïlidley. Jotrochota baculifera Ridley. Chin. Meere. Esperella Vosmaer. Esperella macrosigma n. sp. Nur das Skelet vorhanden. Spiciila: 1) Styli 480X14 jx. Mehrere schwache Biegungen. Andeutung von Köpfen, etwas plötzlich zuge- spitzt. 2) Sigmata 480 jf<. An der Außenseite der Spitzen mit rückwärts gerichteten Stacheln versehen (= Esp. serrai oh am ata Carter A. M. N. H. (5.) Vol. 6 p. 49—50. pl. 5 fig. 20a— fZ). 3) Sigmata 140 /< = den vorigen. 4) Anisochelae 48 //. In Rosetten. 5) Anisochelae 24 /< = den vorigen, aber zerstreut. Chin. Meere. Esperella phillipensis Dendy. Chin. Meere. Desmacidon lìowerbank. Desmacidon reptans Ridley und Dendy. Chin. Meere. Sideroderma Ridley und Dendy. Sideroderma riamcelligerum Ridley und Dendy. Chin. Meere. Dendoryx Gray. Dendoryx mollis n. sp. Spongie oval, weich, grau. Foren in Gruppen gesammelt. Spicula; 1) Tylota 200x4 /<, gerade mit schwach abgesetzten Köpfen. 2) Styli 200X8 ji'- Stachelig, gebogen. 3) Isochelae 3G //, 3-gezähnt. Skelet. Die Styli bilden theils längere Fasern von je 5 — 6 Spicula neben ein- ander, theils ein dreieckiges Netzwerk, jede Faser aus 1 — 3 Spicula bestehend. Die Tylota sitzen in den schmalen Streifen von der Der- malmembran, welche die Porenscheiben trennen. Chin, Meere. Dendoryx rosacea var. japonica Ridley und Dendy. Chin Meere. Damiria Keller. Damiria aiistroliensis Dendy. Chin. Meere. jl'.Qlathria O. Schmidt. Clathria ramosa n. sp. Von einer gemeinsamen Basal])latte aufsteigende und mit ein- ander anastomosierende Aste, die mit kleinen Conulae versehen sind. Consistenz weich, faserig, Farbe braun. Spicula: i) Styli 325X10 /<. Gerade oder schwach gebogen, glatt. In den Fasern. 2) Styli 90X6//. Gerade oder schwach gebogen mit spärlichen, deutlichen, nach dem Dickende gerichteten Stacheln. Ganz stachelig oder mit glattem Dick- 483 ende. Die Fasern zahnend. H) Isochelae 16 fi. 3-gezähnt. 4) Toxa lüOX3j«. Gebogen. Skelet. S])ongien gut entwickelt, Fasern 35 — 10 ^i, l — 7 Spicula in der Mitte, in der Dermalmembran nur Sandpar- tikelchen. Java. Ciathria frondifera (Bowerbank). Java. Haphidophlus Ehlers. Raphidophlus Ridleyi n. sp. Lange, cylindrische, mit einander anastomosierende Aste, Farbe grau, Fläche etwas uneben in Folge von kleinen Convilae. Spicula: lì Styli 300X12 u. Glatt, schwach gebogen, gleichdick, plötzlich zu- gespitzt. In den Fasern. 2) Subtylostyli 200X6 (.i. Gerade, langsam zugespitzt, am Dickende glatt, mit sehr feinen Stacheln. Dermal. 3) Styli 68x8 ,(f (am Dickende). Gerade, am Spitzende, wo sie ^ (.i im Durchmesser halten, abgerundet. Ganz stachelig, außer in einer Zone ganz nahe am Dickende. Die Fasern zahnend. 4) Isochelae 16 ;«, 3-gezähnt. Skelet. Fasern 120/« mit gut ausgebildetem Spongin und zahlreichen Styli an den Fasern. Java. RapJndojihlus filifer Ridley und Dendy var. spinifera n. var. Scheibenähnliche, mit einander anastomosierende Aste, zu platten Stacheln ausgezogen. Chin. Meere, Java. Hymeniacidon Howerbank. Hymeniacidon fenestratus (Ridley). Chin. Meere. Hymeniacidon comdosa (Topsent) Java. Ciocalypta Bowerbank. Ciocalypta foetida (Dendy). Chin. Meere. Axinella O. Schmidt. Axinella mastigophoda O. Schmidt. Chin. Meere. Dorypleres Sollas. Dorypleres hiangulata n. sp. Schwarzbrauner dünner Überzug. Spicula: 1; Oxea 216X6,« und 1400X28 jff mit wenigen Übergängen. Mit einer scharfen Biegung an beiden Enden und den Spitzen nach derselben Richtung gebogen. 2) Oxyaster 32 ^i. Die kleinen Oxea und Oxyaster sind äußerst zahl- reich, dicht gehäuft wirr durch einander. Java. Tethya Lamarck. Tethya Japonica Sollas. Java. Tethya ingalli (Bowerbank). Java. 484 Choìiclrilla O. Schmidt. Chondrilla mixta F. E. Schulze. Java. Chonclrilla ausiralietisis Carter. Chin. Meere. Tlioosa Hancock. Thoosa Hancocki Topsent. Java. Spirastrella O. Schmidt. Spirastrella Aurivillii n. sp. A. Forma libera. Spongie massig, knollig, mit dickem, sehr festem Rindenlager. Oberfläche rauh und uneben, Farbe graulich. Ein- und Ausströmungsöffnungen in sternförmigen Gruppen. Spicula : 1) Tylo- styli 672X36 /<. Gebogen. Kopf rund, gut abgesetzt. 2) Tylostyli 540X20 (.1. Gerade, im Übrigen den vorigen an Gestalt gleich. 3) Spiraster \i) f.i. 4 Biegungen. Skelet: Große Tylostyli ohne Ord- nung, in der Rinde dicht angehäuft. Kleine Tylostyli, ein vertikales, corticales Lager an den Ein- und Ausströmungsöffnungen. Spiraster wenig zahlreich, zerstreut, nur an den Ein- und Ausströmungsöff- nungen. B. Forma excavans. Weite Gänge und Höhlungen in Korallen bohrend, Rinde nur an den Papillen, je eine sternförmige Porengruppe in der Mitte der Papillen, sonst gleich den vorigen. Java. Spirastrella semilunaris n. sp. Ein gelblicher dünner Überzug. Spicula: 1) Tylostyli 432x12 /<. Gerade, langsam zugespitzt. Kopf oval, deutlich. 2) Spiraster 48 (Spirnae mitgerechnet) X 7 /<• 2 Biegungen. Spitzen grob, kegelförmig. Choanosomal. 3) Spiraster 10X2//. Eine einzige scharfe Biegung. Spitzen nur an der convexen Seite. Dermalkelet. Tylostyli in lockeren Bändern gesammelt. Die kleinen Spiraster bilden ein festes Rindenlager und kommen nurin diesem vor, wie andererseits die großen Spiraster nur im Choanosom vorhanden sind. Java. Spirastrella solida Ridley und Dendy. Java. Latrunculia Bocage. Latrunculia laevis n. sp. Scheibenähnliche, mit einander anastomosierende Aste. Fläche uneben, Farbe braun. Spicula: 1) Styli 440X18 /<. Gleichdick, lang- sam zugespitzt, eine Biegung nahe am Dickende. 2) Tylostyli 440X7,«. Gerade, am dicksten an der Mitte, langsam zugespitzt. Kopf oval, wenig abgesetzt. 3) Discastra 36 /<. 4 Kränze von Stacheln, der 3. gespalten, die übrigen einfach. Skelet. Styli zerstreut. Die Tylostyli bilden Fasern, die vom Centrum bis an die Fläche laufen und zwar ohne zu anastomosieren. Chin. Meere. 485 Placospongia Gray. Placospongia melohesioides Gray. Java. Placospongia c arinata iBowerbauk). Java. II. Tetractinellida. Tetilla O. Schmidt. Tetilla bacca (Selenka) = Tethya merguiiiensis Carter in Report Callengeri. Java. Tetilla ternatensis Kieschnick. Java. Steletfa O. Schmidt. Steletta clavosa Ridley. Chin Meere. Steletta simplicifurca (Sollas). Chin. Meere. Steletta tenuis n. sp. Dünner graulicher Überzug. Spicula: 1) Plagiotriaena 1 000X32^«. 2) Oxea 1 440X48 ^<. Gebogen, ziemlich gleichdick, nahe an den Enden sich verjüngend. 3) Sphaeraster 12 — 16/<. Cortical. 4) Chiaster 12 |W. Stacheln gerade, tylot. Choanosomal. Skelet: Oxea und Plagiotriaena in lockeren ])ändern schräg durch die Spongie oder an deren Unter- lage entlang. Die Sphaeraster bilden einen 40 ^i dicken Cortex. Java. Ecionema Bowerbank. Ecionema hacilifera (Carter) . Java. Erylus Gray. Er y lus decumbens n. sp. Ein 3 mm dicker Überzug von graulicher Farbe mit schwarzem Flächenlager. Spicula: 1) Orthotriaena 420X28 ^<. 2) Oxea 800X24 /«. Schwach gebogen. 3) Sterraster 182x120X28 ,a. Abgeplattet biconvex. 4) Oxy aster. Jeder Stachel 24 [x lang. 2 — 5 feine Stacheln. Centrum unbedeutend. Choanosomal. 5) Chiaster 10/< im Durchmesser, Centrum groß, Stacheln zahlreich. Choanosomal. (3) Centroxea 60X^ /<• Ge- bogen. Dermal. Cortex vom Sterrasterlager gänzlich eingenommen. Java. Caminus O. Schmidt. Caminus chinensis n. sp. Sphärisch — keulenförmig. Farbe braun, Cortex fest. Osculum an einer l — 2 mm hohen Erhöhung. Poren in sternförmigen Gruppen. Spicula: Ij Orthotriaena 460 — 600X36 ,«. Cladi 325 — 540 ^ einen Winkel von 90" gegen den Rhabdus bildend. 2) Strongyla 720X24 ^.i. Gebogen mit unregelmäßigem Diameter. 3) Sterraster 136X108x90^. 486 4) Oxyaster 24 — 32 « im Durchmesser, Stacheln Ü — 15 an der Zahl Choanosomal. 5) Spherulae 2-^ò ft. Dermal. Der Cortex, 1 mm dick, wird ganz von den Sterrastern und dem dermalen Spherulaelager ein- genommen. Chin. Meere. .'-• /■;\'- 'v:. ■■• ■'' ."). .: '. Qeodia Lamarqk. Geodia cydomum (O. F. Müller). var. Cerryi (Sollasj. Chin. Meere. Geodia distincta n. s\). x f-isubdermale Höhlungen. Chin. Meere. Sidonops Sollas. Sidonops Picteti Topsent. Java. Isops Sollas. Isops nigra n. sp. Polsterförmige Erhöhung, schwarz, faserig. Osculum 1, groß. Spicula: 1) Plagiotriaena 960X20 (lt. 2) Oxea 900X20 (tt. Gebogen, langsam sich verjüngend. 3) Sterraster 62X52/<. 4) Sphaeraster 20 n. Stacheln zahlreich, kegelförmig. Somal. 5) Oxyaster 24 //. Stacheln 487 spärlich, gerade, glatt, spitz. Choanosomal. Der Cortex besteht aus- schließlich aus Sterrastern und dem außerhalb derselben liegenden dermalen Sphaerasterlager. Java. 5. Experimentelle Ergebnisse der Schniirung von noch weichen Puppen der Vanessa urticae quer über die Fliigelchen. Von Dr. Frd. Ü r e c h. eingeg. 18. November 1897. Wie mau zum experimentellen Studium physiologischer und morphologischer Vorgänge bei höheren Thieren schon längst — in ùeuerer Zeit aber auch an den Eiern ganz niederer kleiner Organis- men — künstliche Hemmungen der Entwicklungs- und Wachsthums- vorgänge anbringt, um aus den so verursachten Abnormitäten das Normale zu ergründen, und auf seine Gesetzmäßigkeiten zu schließen, so habe ich diese Methode auch zum Studium derFarbenzeichnung und des Farben Chemismus bei Vanessa urticaeSchìnetieY\ìug,en angewendet. Ich wurde dazu besonders dadurch bestimmt, daß mir eine Puppe, welche ich in frischem noch etwas weichen Zustande mit einem Faden quer über die Flügelscheiden geschnürt hatte, einen Schmetterling ergab, bei dem diese mäßig starke Schnürung an betreffender Stelle sich nicht nur an den Flügellamellen durch Unebenheiten und gestörte Regelmäßigkeit der daichziegelartigen Lage der ßeschuppung zeigte, sondern auch eine Änderung der Pigmentfarbe verursacht hatte, und zwar nicht nur unter und neben der Schnürung sondern von dieser an bis gegen den Außenrand des Flügels, ohne daß die typische Farbenzeichnung völlig verändert worden wäre. Die schwarzen Flecken im Mittelfelde der Vorderflügeloberseite, die weißen, gelben und schwarzen Costalflecken , die blauen Flecken am Seitenrande nebst ihrer braunen und schwärzlichen Einrahmung waren nicht etwa ganz verändert, oder gar verschwunden. Allerdings waren unter den Ergel - nissen meiner Jiachh er unternommenenVersuchsreihenauchExemplare, bei denen weitgehende so zu sagen Verwaschungen des Farbenmusters eingetreten waren, aber eben in Folge mehr oder Aveniger starker Schnürung und je nach dem Zeitpuncte, in welchem diese während des Puppenzustandes vorgenommen worden war. Erst nach einiger Übung und wiederholten Versuchen ließ sicli eine Gleichmäßigkeit der Ergebnisse erzielen. Da ich auch sehr ungleichmäßige Ergebnisse an meinen Versuchsexemplaren erhielt, so muß ich hier diese einzeln beschreiben. Im Allgemeinen kann ich nur sagen, daß hauptsächlich leicht der gelbrothe oder tieforangeneFarbenton der Oberseite verändert ist, und zwar meist in ein hell bis dunkles ümberi)raun, und meistens