43 dies daher, daß sie dort auch ihre Entwicklung durchgemacht hatten, daß also ihre Larven sich von den Fliigelschuppen ernährten. Ge- nauere Beobachtungen darüber anzustellen, habe ich damals leider verabsäumt, in der Annahme, die mich später auch in andern biolo- gischen Dingen so oft getäuscht hat, daß diese Tatsache wohlbekannt sein würde. Anfänglich hielt ich die erwähnten Fliegen für ausschließliche Schmarotzer des großen blauflügeligen Morpho Achilles^ beobachtete sie dann später aber auch auf den an den nämlichen Stellen fliegenden prächtigen kleinen Tagfaltern (Eryciniden) der Gattung Helicopis, acts (Fbr.) und cupido (L.). Mithin scheint dort nur zwischen Sumpf- schmetterlingen im allgemeinen und den Fliegen eine biologische Wechselbeziehung zu bestehen. Die fraglichen Ektoparasiten gehören nach meinen, allerdings lückenhaften Kenntnissen der Dipteren-Systematik, der Familie der Phoriden an. Es sind träge, winzige, etwa IY4 mm lange Tierchen von graubrauner Körperfärbung, deren getrübte Flügel ungefähr die gleiche Länge wie der Rumpf haben. Das einzige, seinerzeit von mir mitgebrachte Exemplar des Dipterous sandte ich im März 1899 zur Namengebung an Dr. B. Wandolleck nach Dresden, blieb aber leider ohne die erbetene Auskunft. Alle Dipterologen und l^iologen nun, die ich seither über die hier mitgeteilte Tatsache befragte, wußten nichts davon, doch wollte Dr. Müggenburg am Berliner zoologischen Museum die Angelegen- heit im Auge behalten und einschlägiges Studienmaterial zu ver- schaffen suchen, starb aber darüber, für die Wissenschaft viel zu früh. Nur einen Gewährsmann weiß ich zu nennen, dessen Angaben meine Beobachtung erhärten können. Der Insektenhändler Herr H. Sti- chel, jetzt in Hagen i. W., erzählte mir vor mehreren Jahren, daß er unter Schmetterlingssendungen aus Colombien in den Papierdüten, die die Morpho s enthielten, öfters kleine Fliegen vorgefunden hätte, die von den letzten nach deren Tode abgefallen und gestorben waren. 5. Lepidophthirus nov. gen., eine Laus der Elefantenrobbe von der Kerguelen-Insel. 6. Beitrag zur Kenntnis der antarktischen Fauna 1. Von Dr. Günther Enderleiu, Berlin. (Mit 5 Figuren.) eingeg. 17. Juni. 1904. Unter den von Dr. Wertli bei seinem Aufenthalt auf der Ker- guelen-Insel gesammelten Insekten fand sich in einer Anzahl Exem- 1 Der 5. Beitrag ist im Zool. Anz. Bd. 27. 1904. S. 783 erschienen. 44 piare eine Läuseart von einem jungen Männchen des See-Elefanten (Elefantenrobbe) — Macrorhinus leoninuis (L.) — , die sich dadurch in auffälliger Weise von allen bekannten Läusen auszeichnet, daß die Oberseite des Thorax und besonders des Abdomens dicht mit breiten Schuppen (Fig. 1) besetzt ist, die Schmetterlingsschuppen sehr ähneln. Am nächsten steht diese Form der Gattung Echinophthirius Giebel, die auf den Robben schmarotzt, besonders auf der Gattung Phoca. Aus dem antarktischen Gebiet ist noch keine Siphunculate be- kannt, dagegen aus dem subantarktischen und zwar der Echinophthirius miciochirTioxiess. u. Neum.2 von Phocarctos Hoockeri y on Auckland. Fie Fig. 1. Fig. 1. Lepidophthirus macrorhini nov. gen., nov. spec. Schuppen von der Oberseite des Abdomen. Vergr. 270:1. Fig. 2. Kopf von oben. Vergr. 80:1. hhf, Hinterhauptsfortsatz. Vorliegende Form weicht durch die Beschuppung und die sehr dichte und vielreihige Bedornung des Körpers mit dicken Dornen von Echinophthirius Giebel ab und stellt so den Typus einer neuen Gattung dar, die ich Eepidophthirus nenne. Lepidophthirus nov. gen. Kopf breit, oben mit einem breiten, entoskelettalen Hinter- hauptsfortsatz (Fig. 2). Mundöffnung auf der Unterseite ziemlich weit vorn. Um dieselbe herum eine stark gebogene entoskelettale Leiste (Fig. 3 es), die nach hinten offen ist. Antennen 4gliederig. Hinter ihnen eine backenartige Ausbuchtung des Kopfes, die vorn sehr einspringt 2 Trouessart et G. Neumann, Le Naturaliste. 1888. p. 80. Mit Holzschn. 45 und mit sehr langen dicken Dornen besetzt ist. Augen fehlen, ihre letzten Rudimente sind vielleicht in dem stark einspringenden vor- deren Winkel der backenartigen Ausbuchtungen zu suchen. Beine sehr kräftig, gedrungen und kurz, die Vorderbeine etwas kleiner. Tibia und Tarsus (1 gliederig) ist kaum getrennt. Vorn ein prätarsales Sklerit, ähnlich wie bei Haematopinus [suis L.) mit sehr dicken kurzen Zähnen. Daumenartiger Tibialfortsatz mit ähnlichen Zähnen. Im Sternit des Prothorax liegt eine V-förmige, nach hinten offene Gabel, die nach dem Kopf zu noch einen gleichstarken Arm entsendet; sie ist entoskelettaler Natur, legt sich aber dem Sternit dicht an. Abdomen 9gliederig (Fig. -1), vom 1. Segment ist jedoch nur Fig. 4. Fia:. 3 ^ S&S f Fig. 3. Kopf von unten. Vergr. 80:1. es, entoskelettale Leiste. Fig. 4. Lepidophthirus macrorhini nov. gen., nov. spec. Q. Abdomen von oben. Vergr. 15:1. 1 — 9, 1. — 9. Tergit; stii u. s^iii, Stigma des Meso- und Metathorax; sto—sfs, Stigma des '2. — 8. Abdominalsegments. das Tergit entwickelt; es findet sich also die Bildung eines Mittel- segments. 6. — 9. Segment stark zusammengebogen. Stigmen: Im Gegensatz zu allen andern Läusen finden sich alle Stigmen, und zwar die des Meso- und Metathorax und des 2. — S. Abdominalsegments (Fig. 4). Die des 2. Abdominalsegments und besonders die des Meta- thorax (Fig. 4ó'^in) sind allerdings sehr klein und nur bei günstigen mikroskopischen Präparaten erkennbar. Bei den Q sind die auf dem 9. Segment inserierenden Gonopoden (Fig. 5) vorn völlig verschmolzen, so daß sie kaum beweglich sein dürften. Die ganze Oberseite des Abdomens innerhalb der Stigmen ist dicht mit Chitinschuppen besetzt (Fig. 1), die dachziegelartig übereinander 46 liegen. Auch in der Mitte des Thorax finden sich eine Anzahl unter Dornen gemischt. Vorn treten die Dornen etwas über die Stigmen nach innen, während hinten die Schuppen über die Stigmen etwas nach außen übertreten. Die Umgebung der äußeren Genitalien ist beim (^ auch völlig mit kleineren Schuppen besetzt, während sie beim ^ nur mit Dornen und Haaren besetzt ist. Valvulae des Penis (Gono- poden) mit einfachen Chitinspangen. Der ganze übrige Körper meist Fig. 5. V f 1 / ^/ffl ^ ^\^ hl Fig. 5. Genitalöffnung von unten. 6, 7, 8, 9, 6. — 9. Abdominalsegment. Vergr. 80: 1. dicht mit längeren oder kürzeren sehr dicken Dornen besetzt, die auf dem Abdomen in jedem Segment sich zu unregelmäßigen, dichten Querreihen anordnen; auf jedem Segment zähle ich etwa 6 — 8 solcher Querreihen. Lepidophthirus macrorhini nov. spec. Körperfarbe blaßgelbbiaun, Tibien und Tarsen braun, Klauen und Bedornuns braunschwarz. Thorax oben mit 2 durch eine schmale blassere Längslinie getrennten dunkelbraunen Flecken (Fig. 4), die nächste Umgebung ist meist besonders hell. Kopf oben dicht mit kurzen Dornen besetzt, deren Verteilung in Fig. 2 erkennbar ist. Die backenartigen Hinterhauptswulste an den Seiten sind mit sehr langen, 47 nach hinten gebogenen Dornen besetzt. Anf dem Hinterkopf sind die Dornen überhaupt besonders hinten länger. Die Kopfunterseite (Fig. 3) ist wenig bedornt; nur 2 langgestreckte Partien hinten seitlich der Me- dianlinie sind dicht bedornt; 4 feine Borsten stehen um die Mund- öffnung. Antennen spärlich beborstet. Der Hinterhauptsfortsatz (Fig. IhJif) schiebt sich in den Thorax dicht unter dem oberen Inte- gument. Thorax sehr dicht bedornt, an den Seiten sind die Dornen etwas länger ; hinten stehen oben zwischen den Dornen einige Schuppen. Abdomen nicht vom Thorax abgesetzt, unten und an den Seiten dicht und kurz bedornt; auf jedem Sternit kann man etwa — 8 Quer- reihen Dornen zählen ; dieselben sind aber unregelmäßig angeordnet, so daß eigentliche Querreihen nicht entstehen. Die Oberseite ist dicht beschuppt, nnter den Schuppen stehen keine Dornen. Vorn reichen die Schuppen nicht ganz bis an die Stigmen, während sie unten die Stigmen überschreiten. An den Seiten jedes Segments hinten einige längere Dornen. Die weiblichen Gonopoden sehr langgestreckt und schmal, lang aufsitzend. Dieselben sind am Rand dicht beborstet. Die Umgebeng ist beim Ç dicht bedornt, hinter ihnen finden sich da- gegen feine Haare auf dem Rand des 9. Segments (Fig. 5; 9). Der Rand des S. Segments (Fig. 5; 5) trägt dagegen einige sehr lange dicke Dornen. Die Umgebung der männlichen Genitalöffnung ist beschuppt. Beine sehr kurz, der Femur besonders kurz. Krallen relativ klein. Vorderbeine etwas schwächer. Eier länglich oval, mit einem stumpferen Pol; Länge etwa 0,7 mm. (Aus dem Abdomen eines Q erhalten.) Körperlänge: ç^ 2V4 mm, Q. I^j^ — 3 mm. Größte Abdominalbreite: 2 mm. Kerguelen. Von einem jungen Männchen der Elefantenrobbe [Macrorhinus leoninus [L.] ç^ juv.). 30. November 1902. 2 ç^, 2Ì Q. Deutsche Südpolar-Expedition. Gesammelt von Dr. Werth. 8. Ein neuer Lernaeopodide. Von Miroslav Miculicich, cand. phil. et med. (Aus dem zoologischen Institut der Universität Jena.) (Mit 3 Figuren.) eingeg. 25. Juni 1904. In Buccari an der kroatischen Küste, wo die Tunfischerei in großem Maße betrieben wird, fand ich auf Thijnnus thynnus L. einen neuen parasitischen Copepoden, welcher in die Familie der Lernaeo- podiden gehört. Die Parasiten saßen hinter der Brustflosse in der