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Heinrich Balss' Leben und Werk Von Ludwig Tiefenbacher Über Crustaceen — und hier besonders über Decapoda — zu arbeiten, ohne die Veröffentlichungen von Heinrich Balss zu kennen, ist unmöghch. Er gehört mit zu den bedeutendsten, international aner-kannten Crustaceologen. 1987 jährt sich sein Todestag zum 30. Mal, ein Anlaß seiner zu gedenken. Wer Heinrich Balss noch kannte, nennt ihn einen stillen, stets freundlichen, auch in schwerer Zeit ganz seiner Forschung hingegebenen Gelehrten. Sein Personalakt ist dünn und berichtet fast nichts über ihn. Am 3. Juni 1886 wurde H. Balss in Mainz geboren. Hier besuchte er Volksschule und Humanisti-sches Gymnasium. Seine humanistische Bildung sollte sich in späteren Jahren immer wieder in The-men seiner Veröffentlichungen zeigen. — 1904 legte er sein Abitur ab und verließ im gleichen Jahr Mainz für immer. Nach einem Semester des Studiums der Mathematik an der Universität in Heidel-berg ging er 1905 nach München. Hier widmete er sich unter seinen Lehrern Richard Hertwig, Ri-chard Goldschmidt und Franz Doflein ganz dem Studium der Zoologie. 1908 promovierte er mit der Dissertation: „Über die Entwicklung der Geschlechtsgänge bei Cestoden nebst Bemerkungen zur Ec-todermfrage." Schon während seines Studiums zog ihn Franz Doflein an, jener junge, dynamische, weltoffene und schon weitgereiste Dozent, der eben erst von seiner jüngsten Forschungsreise nach China, Japan und Ceylon mit überreichem Material zurückgekehrt war. Balss gehörte sicher zu dem Kreis junger Assi-stenten, Doktoren und Dozenten des Zoologischen Instituts und der Sammlung, der sich jeden Mitt-woch zum Biologischen Abend um Doflein, der so brillant und mitreißend von seinen Reisen zu be-richten wußte, scharte. Sein eigener Aufenthalt in Banyuls-sur-Mer während seines Studiums hatte zudem sein Interesse an der Lebewelt im Meer geweckt. Etwa seit 1906 hatte Doflein Heinrich Balss unter seine Fittiche genommen und er war es wohl auch, der ihm die Anstellung als Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der Zoologischen Staatssamm-lung verschaffte. Nach seiner Promotion wird Balss hier am 1.11. 1908 zum wissenschaftlichen Assi-stenten berufen. In dieser Zeit übergibt ihm Doflein die Pennatuliden, die er auf seiner Ostasienfahrt gesammelt hat, und begleitet deren Bearbeitung. 1909 erscheint hierüber eine erste Mitteilung und 1910 in den von Doflein herausgegebenen „Beiträgen zur Naturgeschichte Ostasiens" die erste um-fangreiche Arbeit Balss'. Im gleichen Jahr veröffentlicht er auch seine ersten Arbeiten über Crustacea (Stomatopoda), wieder veranlaßt durch Doflein'sches Material, und dazu über eine Ausbeute der österreichischen „Pola"-Expedition ins Rote Meer. 1913 folgen u. a. drei Arbeiten über Galatheiden, die ihn letztlich anregten, sich auch mit deren fossilen Vertretern an Hand von Material aus der Münchner Paläontologischen Sammlung zu befassen. 1912 hielt sich Balss für einige Zeit an der Station in Neapel auf, jenem schon damals berühmten In-stitut für Meeresforschung. Hier führte er Versuche über den Geschmacks-und Geruchssinn bei Gar-nelen durch, die er auch 1913 publizierte. Dies war wahrscheinlich sein letzter Aufenthalt am Meer, obwohl er sich sein ganzes Leben lang mit mariner Fauna beschäftigte. — In den Kriegsjahren 1914 — 15 kommen weitere acht Arbeiten, die sich vorwiegend wieder mit Material Dofleins und den Fängen der „Valdivia"— und „Pola"-Expedition befassen, heraus. Am 1.8.1915 wird Balss zum Königlichen Kustos ernannt. Wenige Monate danach wird auch er zum Kriegsdienst gerufen und muß bis zum Zusammenbruch ausharren. — 1920 heiratet er seine teure Gattin, die ihm auch durch schwerste Prüfungen die Treue bis zum Tode hielt. 187

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Heinrich Balss Leben und Werk

L Tiefenbacher
Spixiana 11: 187-192 (1988)

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