76 Gesellschaft naturforschender Freunde. burg berichtet. In diesem Frühjahre bat er sie mit demselben Erfolge wiederholt, und legte Vortr. der Gesellschaft frische Carex hirta vor, auf der er durch Aussaat der Sporen des Aeci- dinm Urticae Uredo erzogen hatte. Es zeigte sich bei diesen Aussaaten, dass die AecidiumSporen am besten keimten, wenn sie bereits einige Stunden ausgestreut bei den Aecidimn-Bechern gelegen hatten, und keimten sie sogar noch sehr gut in einem Falle, wo sie drei Tage ausgestreut als gelbe Sfaubmassen bei den Pilzgescbwülsten auf der Urtica gewesen waren. Die Fuc- cinia auf Carex hirta stimmt morphologisch mit der Puccinia Caricis D. C. überein, und muss sie einstweilen zu dieser gestellt werden. Ob aber alle auf den anderen Carex-Arten, z. B. Carex riparia, auftretenden Puccinien, die nach ihrem morphologischen Baue zu Puccinia Caricis gerechnet werden müssen, wirklich mit der auf Carex hirta (von der sie übrigens oft in den Grössen- dimensionen der Stylosporen und Teleutosporen abweichen) zu einer Art gehören, ob daher diese Puccinien der anderen Carex- Arten ihre /lectrfJMm-Fructifiration ebenfalls auf Urtica entwickeln, muss Vortr. um so mehr ausdrücklich dahingestellt sein lassen, als einige allerdings noch zu bestätigende und weiter zu verfol- gende Erfahrungen entschieden dagegen sprechen. Herr W. Peters machte eine Mittheilung über eine neue Art von Cnemidophorus. Cnemidophorus nigricolor n. sp. : Ganz einfarbig schwarz oder schwarzbraun mit helleren bräunlichen Linien auf dem Nacken und dergleichen kleine Flecken auf der Aussenseite des Vorderarmes, des Ober- und Unterschenkels, Marmorirung des ünterkinnes und der hellem Ränder der Schilder und Schuppen der Unterseite. Bauch- schuppen in acht Längsreihen, wie gewöhnlich*) bei Cn. lem- niscatus, dem diese Art auch im Habitus und in der Pholidosis sehr ähnlich ist. Sie unterscheidet sich jedoch von ihm in der letzteren dadurch, dass die Schuppen der Halsfalte kaum grösser *) Das Berliner Museum (No. 6197) bat Exemplare eines Cnemi- dophorus aus La Guayra, welche zehn Reihen von Bauchschuppeu haben, sonst aber in keiner Weise sich von Cn. lemuiu-ntun unter- scheiden. Sitzung vom 17. Juni. 11 als die des Unterkinnes , die beiden grossen Schuppenreihen des Oberarms viel kleiner als bei jener Art und die Schuppen des ersten Viertels oder Drittels der Unterseite des Schwanzes glatt und ungekielt sind. Vier Exemplare dieser durch ihre Färbung sehr auffallen- der Art, drei ganz schwarze und ein helleres, sind mir von Hrn. Dr. A. Ernst in Caracas zugesandt worden. Er fand diese Eidechsen ausserordentlich häufig auf der venezuelanischen Insel- gruppe Los Roques, im Norden von La Guayra (im 12''N. Br. und 67 ^ W. L. Gr.) Auf diesen kleinen Inseln fand er ausser dieser Eidechse von Wirbelthieren nur noch die Wanderratte in Tausenden von Exemplaren vor. Selbst Seevögel sind nicht häufig und von Landvögeln sah er keine. Die Vegetation hat Herr Dr. Ernst in der Botanischen Zeitung von 1872 beschrie- ben. Die Eidechse hat bei den Fischern keinen Namen. Sie ist nicht schnell und zwei Leute fingen in einer halben Stunde gegen 80 Exemplare. Herr Urban, als Gast anwesend, sprach über die durch die Heereszüge der Jahre 1870 und 71 bewirkte Einschleppung zahlreicher fremder Pflanzenarten nach Frankreich. Dass durch Kriegszüge einige Pflanzen ihren Verbreitungs- bezirk dauernd erweitert haben, ist bekannt. Corisperrmim Marschallii Stev., mit den Russen im Jahre 1814 nach Deutsch- land eingewandert, ist bis Schwetzingen vorgedrungen und hat diesen westlichsten Punkt seines Vorkommens bis jetzt behaup- tet. Aehnliche Beispiele liegen aus älteren Zeiten, jedoch nur wenige, vor, weil man die nächste, günstigste Zeit nach grösse- ren Kriegen vorübergehen liess und später nur zufällig die wenigen Ueberbleibsel auffand, welche sich vollständig eingebür- gert hatten. In manchen Fällen mochte sich dann auch wohl nicht einmal mehr mit Sicherheit constatiren lassen, ob und wann eine Einwanderung stattgefunden hatte. Erst seit dem letzten Jahrzehnt hat man begonnen, an den Lagerplätzen grösserer Heeresabtheilungen , in der Umgebung der Magazine und Ausladestellen sein Augenmerk auf die der Flora fremden Pflanzen zu richten. Der erste, welcher ein kleines Verzeich- niss der durch den Krieg von 1859 nach Italien verschleppten Pflanzenarten lieferte, war Aug. Gras. Er theilt im Bull, de