DIE GATTUNGEN DER PALAEARKTISCHEN TORTRICIDAE I. ALLGEMEINE AUFTEILUNG DER FAMILIE UND DIE UNTERFAMILIEN TORTRICINAE UND SPARGANOTHINAE VON NIKOLAUS S. OBRAZTSOV Sea Cliff, Long Island, New York, U.S.A. (Mit Abbildungen 1 — 248) Vorwort Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zeichnete sich durch ein immer steigendes Interesse am 'Studium der s.g. Microlepidopteren aus. Dieses Gebiet der Lepi-dopterologie gab nicht nur ein besonders breites Feld für systematische, ökologi-sche, zoogeographische und sonstige Forschungen, wurde aber auch von einer grossen wirtschaftlichen Bedeutung. Auch die Tortriciden bildeten keine Aus-nahme davon. Die in Jahren 1908 bis 1921 erschienene Monographie der palaeark-tischen Tortriciden von J. v. Kennel war und bleibt die Hauptbasis aller gegen-wärtigen Studien dieser Gruppe der Schmetterlinge. Trotz ihres unbestreitbar grossen wissenschaftlichen Wertes, war diese Mono-graphie systematisch gesehen auch für ihre Zeit ziemlich rückständig. Als Gegner einer weitgehenden Gattungsaufteilung hat Kennel viele von seinen Vorgängern aufgestellte Gattungen als durch „sehr unsichere, wechselnde Merkmale von sehr geringem Wert", die ,, nicht für alle bei diesen Gruppen untergebrachten Arten stimmen", begründet erklärt und war zu einem sehr vereinfachten System gelangt, das sich ausschliesslich auf die äusseren Merkmale gründete. Ausserdem war die Monographie bereits zur Abschlusszeit ihrer Publikation nicht vollständig und umfasste hauptsächlich nur die Arten, die im Kataloge von Staudinger & Rebel (1901) für das palaearktische Faunengebiet angeführt wurden. Inzwischen wurden viele neue Arten und Gattungen aufgestellt und diese in verschiedenen, zum Teil schwer zugänglichen Publikationen zerstreuten Angaben erschwerten das Tortriciden-Studium. Die neuen Untersuchungsmethoden haben ausdrücklich gezeigt, dass eine moderne Revision der palaearktischen Tortricidae eine Notwendigkeit wäre. Das war der Grund, warum ich mich entschloss diesem Problem meine ganze Aufmerksamkeit zu widmen. Die von mir noch 1937 angefangene Arbeit über eine solche Revision wurde leider durch die Kriegsereignisse 1941 bis 1945 unterbrochen und ein grosser Teil meiner Notizen und Karteien geriet dabei in Verlust. Von diesen konnte nur eine vorläufige Mitteilung über die europaeischen Eucosmini-Gattungen (Obraz-Tsov, 1946) veröffentlicht werden. Als ich 1946 durch eine Anstellung an der Zoologischen Sammlung des Bayerischen Staates in München meine wissenschaft-liche Arbeit wieder normal fortsetzen konnte, habe ich mich bemüht das Ver-141 \m. COMP, im OCT 2 8 1954