Allgemeines und Spezielles über die Lamiidengattung Nemophas I. Thoms. (Col. Longicorn.) von Dr. K. M. Heller (Dresden). Im Catalogus Coleopterorum X, Monachii 1873, von Gem- MINGER und Harold folgt Mclanaustcr, getrennt durch 22 verschiedene Gattungen, in einem Zwischenraum von 9 Seiten, auf den, Seite 3013 angeführten Nemophas, sodass bei den mit diesen Gattungen nicht näher Vertrauten der Eindruck erweckt wird, als handle es ihr bei diesem und ersterem um von einander sehr verschiedene Formen, dem gegenüber festgestellt werden muss, dass nach LaCORDAIRE das einzige durchgreifende Merkmal zwischen beiden nur der mehr oder weniger ausgeprägte Mesosternalhöcker ist (vergi. Gen. des Coléopt. X, Paris, 1869, p. 301, 307 u. 326). Die Angaben in der Gattungstabelle decken sich nicht wörtlich mit denen der Gattungsdiagnose, lassen aber erkennen, dass Nemophas ein vorn abstürzendes, stark höckeriges Mesosternum haben soll. Bei Durchsicht einer Reihe von Arten beider Gattungen verwischt sich aber dieses Merkmal derartig, dass es nicht möglich ist, sie darnach sicher auseinander zu halten. So ist bei Nemophas hatoceroides L TlIOMS. der Mesosternalhöcker auf der vorn stumpfwinkelig abstürzenden Mittelbruste ver- hältnismässig kräftig entwickelt, bei grayi schwach ange- deutet, bei rosenbergi fehlend. Die gleiche Verschiedenheit findet man in der Gattung Melaitauster, auch abgesehen von dem von Gemminger und Harold noch unter dieser Gattung erwähnten /acrj/mansTHOMS., der wegen der fehlenden Cicatrix des i. Fühlergliedes, trotz seiner sonstigen Ähnlich- DR. K. M. HELLER, ALLGEMEINE U. SPEZIELLES U. S. W. 99 keit mit Melanauster, zu den Batoceriden und zwar zur Gattung Trcnctica Thoms. gehört. So hat Mclaiianstcr glabripciuiis MOTSCIL, der ausserdem im Gegensatz zu den andern Arten nur eine einzige basale Thorax-Querfurche zeigt, wie Nciiio- phas roseiihergi RiTS., kein deuthch gehöckertes Mesoternum, M. cliinensis FoRSTER einen die Mittelbrust unten etwas zapfenartig überragenden IJr)cker, der vorn vertikal abstürzt, M. oshinianus F'airm. einen deutlichen, etwas stumpfwinkelig- abfallenden Höcker, so dass hier, ebenso wie in der Gattung NeniopJias, eine Reihe recht verschiedener Bildungen vor- kommen. Besonders zweifelhaft wird der Wert dieses Merk- males bei Mclaiiùìisi'cr ììwcdeiihacJii Rns , ') der sich durch seine Tomentbinden der Decken so eng an NeviopJias (besonders gravi u. roseiibergi^ anschliesst, dass jeder Unbe- fangene diese drei Arten als congenerisch ansehen wird, denn selbst das einzige Merkmal, das mir die Stellung von nieedenbaciii bei Melaiiaiister zu rechtfertigen scheint, nämlich das Vorhandensein einer Medianschwiele an der Thoraxbasis vor den Ouerfurchen, wird wieder durch M. glabripciinis MOTSCH., bei dem eine solche kaum angedeutet ist, ebenfalls hinfällig. Im allgemeinen lässt sich sagen, dass heute unter dem Begriff NeiiwpJias Arten zusammengefasst werden, deren Flügeldecken entweder kahl, oder (nur bei A". Jiclleyi aus- namsweise undeutlich) cjuer tomentiert gebändert sind, unter Melaiiaiister solche, deren Decken entweder kahl und mit hellen Tomentflecken, ausnahmsweise tomentiert und mit Kahlflecken wie bei beryllinus geziert sind, letztere Art, mit vorn rechtwinkelig abfallendem Mesosternum, entfernt sich aber auch durch die verhältnismassig schmalen unteren Augen- lappen, die fast doppelt so hoch als breit sind von den übrigen Melanausterarten. Auf diese Tatsachen hinzuweisen schien nötig, um sowohl bezüglich der Stellung der beiden hier als neu beschriebenen Arten Klarheit zu schaffen, als auch um den Umfang des Bestimmungsschlüssels der Arten, der nur die als Xemophas beschriebenen umfasst, festzustellen. 1) Notes Ley den Mus., III, 1881, p. 39. lOO DR. K. M. HELLER, ALLGEMEINES U. SPEZIELLES U. S. VV, Nemophas atrocyaneus sp. n. Niger, supra glaber, elytris atro-cyaneis, corpore subter in meso- et metasterno ut abdomine ferrugineo-tomentosis ; fronte verticeque sulco mediano; maris antennis corpore plus duplo longioribus ; prothorace ut scutello ereberrime subtilissi- meque punctatis ac opacis, ilio sulco transverso subapicali, profundo, medio fortiter arcuato, duobus basalibus aequaliter profunde insculptis, disco haud punctato, sulco mediano tenui ; scutello oblongo-trapezoidali, apice rotundato, linea mediana levi subimpressa ; el)tris nitido-glabris solum ad humeros lateribusque distincte granulatis, reliquis in dimidia parte basali rude parceque, apicem versus sensim multo subtilius punctatis. Long. maris 35, antennarum circiter 100 (art. i. — 9. : ']']') mm, feminae 31, antennarum 42 mm, his dimidia parte elytra SLiperantibus. Hab. Insula Key (a Dr. Staudinger et Bang Haas partus). In Grösse und Grundfärbung, Bildung der Augen und Mittelbrust mit A"^. forbesi Waterii. übereinstimmend, aber die Flügeldecken ohne Tomentquerbinden, einfarbig bläulich schwarz, der Basalteil der Decken viel gröber an den Seiten bis über die Mitte hinaus nach hinten zu grob punktiert. Kopf, Thorax und Schildchen infolge äusserst dichter feiner Punktierung matt, die Stirn, wie bei forbesi ausserdem mit zerstreuten feinen, aber deutlichen Punkten. Fühler des c? schätzungsweise (sie sind bei vorliegendem Stück nicht voll- ständig) um die Länge der Decken, beim Ç um deren Hälfte die Deckenspitze überragend, bei letzterem ist das Analsternit am Hinterrand konkav, beiderseits spitzwinkelig. Der Hals- schild zeigt im Gegensatz zu forbesi z^&i gleich tiefe Basalquer- furchen und eine diese mit der Apicalquerfurche verbindende feine Mittelfurche. Schildchen länger wie bei erwähnter Art, verkehrt trapezoidal mit leicht gerundetem Spitzenrand und leichtem geglätteten Längseindruk in der Mitte. Flügeldecken in der Basalhälfte, an den Seiten über diese hinaus, grob (bei forbesi fein) punktiert, an der Basis und an den Schultern mit groben flachen Körnern, in der Spitzenhälfte sehr zerstreut und fein, an den Seiten etwas gröber, nach der Spitze zu DR. K. M. HELLER, ALLGEMEINES U. SPEZIELLES U. W. S. IO I erlöschend punktiert. Unterseite, mit Ausnaiime der Vorder- und Mittelbrust, dicht rostfarben (bei/(?;-/^r.s7 sind die 4 letzten Ventralsternite schwärzlich) tomentiert, die Beine schwarz, mit grünlich blauem Schimmer. Mesosternalhöcker vorn steiler wie bei forbcsi, fast rechtwinkelig abfallend. Nemophas trifasciatus sp. n. Ç. Niger, el}'tris subaenescenti nigris, fasciis tribus latis, una antemediana, duabus postmedianis atomisque paucis cretaceo-, corpore subter subtiliter cinereo-tomentosis ; prothorace opaco, subtilissime cinereo-tomentoso, sulco transverso apicali in medio tenui, duobus basalibus aequaliter profundis; scutello tomento nigricante, trapezoidali, margine apicali rotundato; eh'tris in quinta parte basali sat dense ac plane granulosis, inter fascia prima secundaque fortiter, reliquis subtilius punctatis. Long. 41, lat. humeralis 15, antennarum long. 55. Hab. Insula Key (a Dr. Staudinger et Bang Haas com- partus). Eine robuste, relativ breite Art, von der mir nur ein Weibchen vorliegt, deren Oberseite schwarz ist und deren Decken erzfarbigen, im Basalfi.inftel etwas purpurn über- gossenen Schimmer zeigen und mit 3 breiten, kreideweissen Tomentbinden und einer spärlichen weissen Sprenkelung geziert sind. Kopf und Thorax infolge äusserst dichter und feiner Punktierung matt, Stirn ausserdem mit zerstreuter, feiner, aber deutlicher Punktierung und haarfeiner glatter, oberhalb der Mitte in eine P'urche übergehende Mittellinie. Halsschild äusserst fein grau tomentiert, die Ouerfurche nahe dem Vorderrand in der Mitte sehr flach, die subbasalcn zwei Querfurchen beide gleich tief, Schildchen quer trapezoidal, mit verrundetem Spitzenrand, schwärzlich, am Spitzenrand bräunlich tomentiert. F"lügeldecken im basalen Fünftel grob aber flach und massig dicht gekörnelt, die erste weisse Quer- binde höchstens halb so breit wie der gekörnelte Basalteil, aber breiter als die Schenkel, zweite Deckenbinde ebenso breit; ihr Hinterrand liegt in einer Höhe mit dem der Hinterbrust, der der dritten genau über dem Hinterrand des 2. Ventralsternites, die spärliche weisse Beschuppung zwischen 102 DR. K. M. HELLER, ALLGEMEINES U. SPEZIELLES U. S. W, den Binden besteht zumeist aus unregelmässig verteilten Atomen und einer Ouermakel auf der Naht zwischen der 2. und 3. Binde und zwischen der 3. Binde und Nahtspitze, Unterseite schwarz, spärlich und sehr fein grau tomentiert und namentlich das Analsternit mit zerstreuten deutlicheren Punkten, die schwarze Wimpern tragen, auch die Schenkel und Schienen zeigen die auch bei den anderen Arten vor- handene weitläufige Punktierung. Mesosternalfortsatz vorn etwas stumpfwinkelig abfallend. Apicalrand des Pygidiums (des $) zweilappig, BESTIMMUNGSSCHLÜSSEL DER NEMOPHAS-ARTEN. A'' Unterseite ganz, oder mindestens die Hinterbrust rost- farben tomentiert. B' Flügeldecken ohne Tomentbinden. C' Halsschild rostrot tomentiert, Decken tief schwarz . . . . batoceroides I. Thoms, — Timor. C Halsschild matt schwarz, Decken grünlich blauschwarz atrocyanens sp. n. — Key. B Flügeldecken mit rostgelben Querbinden, die letzten vier Ventralsternite schwärzlich tomentiert . . . . forbesi Waterh. ') — Timorlaut. A' Unterseite gelblichweiss bis ockergelb tomentiert. D' Deckentoment einfarbig. E' Flügeldecken an der Wurzel gekörnelt. F' Grundfärbung der P'lügeldecken tief schwarz, zwei Binden und je eine Spitzenmakel ockergelb tomentiert . . , . bicinctiis Lansbg. ") — Sula Besi. F Grundfärbung der Flügeldecken dunkel metallisch grün, zwei breite Binden und das Spitzen-Siebentel ganz ocker- gelb tomentiert . . . roscnbergi RiTS. ^) — N. Celebes, E Flügeldecken an der Wurzel nicht gekörnt. G' Flügeldecken mit vier ockergelben Toment-Querbinden . . . . sonatus Lansbg, *) — Timor. 1) Proc. Zool. Soc. 1884, p. 218, pi. XVI, hg. 5. 2) Ann. Soc. Ent. Belg. Bull. 1880, p. CXXXVII. =') Notes Leyd. Mus. i88r, p. 148. ") Ann. Soc. Ent. Belg. Bull. 1880, p. CXXXVII. DR. K. M. HELLER, ALLGEMEINES U. SPEZIELLES U. S. W. 103 G Flügeldecken blass ockergelb tomentiert, nahe der Wurzel und dicht hinter der Mitte auf der Naht mit grossem gemeinsamen Kahlfleck, zwischen diesen mit einigen (3) feinen queren Kahlbinden. . leucisciis Pasc. — Batjan. D Deckentoment zweifarbig, an der Wurzel und Spitze, so wie die Stirn und Backen, rostfarben, zwei breite Querbinden blass lehmfarbig tricolor Hllr. ^) — C. -Celebes. A Unterseite schwarz, zuweilen grau tomentiert, oder nur das erste und zweite Ventralsternit am Hinterrande mit goldgelben Makeln. H' Ventralsternite ohne Makeln. \" Deckenwurzel im i. Fünftel der Deckenlänge, so wie drei Binden und die Deckenspitze gesättigt (etwas rötlich) ockergelb grayi PASC — Amboina. \' Deckenwurzel im i. Fünftel der Deckenlänge kahl, Decken mit 3 kreideweissen Querbinden und wenigen grösseren und sehr kleinen Punktmakeln von gleicher Färbung trifasciatiis sp. n. — Key. I Deckenwurzel so wie die übrigen Decken aschgrau tomentiert. K" Decken aschgrau, mit vier schwarzen Kahlbinden, siehe: [^Milaiiaustcr meedcnbaciii RiTS. — Java]. K' Decken mit je einer Kahlbinde vor und hinter der Mitte iiicensiis Pasc. — Morotai, K Decken jederseits mit drei rostroten Quermakeln Ictiialis Pasc. — Morotai. H Ventralsternit i und 2 am Hinterrand jederseits mit goldgelber Tomentmakel, Flügeldecken ohne Toment- binden, nur spärlich mit kleinen goldgelben Toment- punkten, die hinten zu zwei unregelmässigen Querreihen geordnet sind .... lielleri G. Hauser. -) — Key. 1) Abh. Ber. Mus. Dresden 1896, No. 3, p. 23, Taf. Fig. 13. 2) D. Ent. Zeitschr. Berlin 1904, p. 42.