174 M. Seitner.
Resseliella piceae,
die Tannensamen-Gallmücke.
Von
M. Seitner,
k. k. Forst-und Domänenverwalter.
Mit b Abbildungen im Texte.
> (Eingelaufen am 23. Juni 1905.)
Von den vielen bekannten Gallmücken sind es verhältnis-
mäßig-nur wenige, welche Pflanzenfrüchte angreifen, und in Nadel-
holzsamen sich entwickelnde waren bisher noch gar nicht bekannt.
Es wird daher nicht uninteressant scheinen, darauf hinweisen
zu können, daß auch im Tannensamen eine Gallmücke lebt, welche
dessen Entwicklung zum keimfähigen, brauchbaren Samen voll-
ständig hemmt und daß sich nach den in den Idrianer Staatsforsten
gesammelten Erfahrungen in Durchschnittsjahren etwa 10 — 15 7^
und unter ungünstigen Verhältnissen selbst 50^0 des Samenquan-
tums von der Larve befallen erweisen.
Diese neue Cecidomyide kann daher zum mindesten für das
genannte Gebiet als ein schädliches Insekt bezeichnet werden.
Die Flugzeit der Mücke fällt in den Monat April, somit mit
der Blütezeit der Tanne zusammen. Die aus den zwischen den
noch zarten, fleischigen Samenschuppen hineingelegten Eiern aus-
kriechenden, außerordentlich kleineu Larven arbeiten sich direkt
in die weiche saftige Samenknospe hinein, von deren Inhalt sie
sich, ohne indessen eine Gallenbildung zu verursachen, ernähren
und bis etwa Mitte Oktober, wenn der Tannenzapfen zerfällt, Sa-
men, Deck-und Samenschuppen zur Erde fallen läßt, ihre Voll-
wüchsigkeit erreichen.
Mit dem zur Erde fallenden Samen gelangt auch die Larve
zur Überwinterung auf den Boden, um die Samenhülle noch im
Vorwinter oder im darauifolgenden Frühjahr zu verlassen und in
der obersten humösen Bodenschichte, in Moos u. dgl. bis auf weiteres
zu verbleiben.